BioFach 2017 – die Highlights

Impressionen von der Leitmesse für Bio-Lebensmittel in Nürnberg

Alljährlich trifft sich die Bio-Branche bei der Nürnberger Messe BioFach und auch dieses Jahr präsentierten die Hersteller mehr als 1.500 Produkte und aktuelle Trends in 9 Messehallen. Alles zu erkunden ist ein Ding der Unmöglichkeit und so ging es mir bei meinem Messebesuch vor allem um gesundheitlich interessante Produkte und die Gespräche mit den Herstellern, international und national. Man lernt schließlich nie aus.

 

Besucher Voting: Best New Product

Eine Hilfestellung in Sachen Übersicht erwartete den Messebesucher direkt im Eingangsbereich. Hier wurden die neuen Produkte vorgestellt.

 

Foto: Biofach 2017, Best New Products Award, ©foodfibel.de

Nach Nominierung durch die Messebesucher wurden am letzten Messetag die Best New Products Awards vergeben. Gewonnen haben das Sandwich-Eis von Hohenlohe Franken, Hanf-Pesto von Alnavit, der Go4Raw Blüten-Probiotik-Riegel, Kürbis-Grillsauce und Kürbis-Schorle von Thalhammer, sowie der Cappucino von Schrozberger. Foto: © foodfibel.de

 

Wie zu erwarten stehen auf einer Messe die neuen Produkte und damit vor allem Convenience Foods im Mittelpunkt. Man kann die Karotte oder Grüntee schließlich nicht neu erfinden. Gesundheitlich sind Convenience Foods als kombinierte Lebensmittel und Mixfoods allerdings selten empfehlenswert.

So zählt auch hier das Kürbis-Ketchup zu den Preisträgern der Messe, als Tomaten-Alternative taugt es trotzdem nicht, da es leider Nachtschatten-Paprika enthält, Stichwort Solanin. Ebenfalls problematisch ist der enthaltene Essig. Essig ist ein Haushaltsreiniger und schädigt den Darm, hat in gesunden Lebensmitteln also eigentlich nichts verloren. Als Alternative zum Säuern eignet sich Zitronensäure übrigens wesentlich besser.

Bei meinem Messe-Rundgang habe ich mich deshalb vermehrt für die eher natürlichen Produkte interessiert. Lebensmittel in ihrer ursprünlichen Form, die mir selber mehr Freiheit lassen, sie nach Bedarf und typgerecht zu kombinieren.

 

Roter Quinoa aus Bolivien

Quinoa ist der Reis Südamerikas und als Pseudogetreide eine glutenfreie Alternative zu Brot und Kartoffel. Das Andengetreide ist dabei reich an Protein und Mineralien und inwischen auch bei uns im Handel weit verbreitet. Eher selten anzutreffen ist dagegen der Rote Quinoa, der sich durch größere Körner und höhere Nährstoffgehalte auszeichnet. Als Royal Quinoa wächst der rote und schwarze Quinoa ausschließlich in den Höhenlagen Boliviens.

 

Foto: Messestand Bolivien, Roter Quinoa, © foodfibel.de

Quinoa-Rezepte und Geschichte am Messestand von Bolivien. Foto: © foodfibel.de

Foto: Roter Quinoa,

Roter Quinoa als Snack, gepoppt und als Flips. Foto: © foodfibel.de

 

Der Rote Quinoa braucht die kargen Böden mit extremer Höhenlage. Insofern ist der Anbau in maschineller Landwirtschaft so gut wie unmöglich. Der weltweite Erfolg von Quinoa kommt deshalb in erster Linie der indigenen Landbevölkerung zu Gute, die sich über den arbeitsintensiven Anbau und Export erstmalig einen bescheidenen Wohlstand aufbauen kann.

 

Einzig bei der Zubereitung von Quinoa ist darauf zu achten, dass die Saponin-Bitterstoffe auf der Schale gründlich und mit heißem Wasser abgespült werden.

 

 

Kakao aus Ghana Westafrika

In der Regel stammt der Kakao für unsere Schokolade aus Südamerika. Darum war ich umso überraschter, wie sehr sich der westafrikanische Kakao im Geschmack vom bitter-säuerlichen Aroma bekannter Bitterschokoladen unterscheidet. Der Grund sind andere Kakaobäume, aber auch lange Fermentationszeiten von bis zu einer Woche. Eingerollt in Bananenblättern, sonnengewärmt und ohne künstliche Hitzezufuhr.

Hauptproblem des afrikanischen Kakaoanbaus ist immer noch die weitverbreitete Kinderarbeit. Umso wichtiger sind deshalb valide Zertifizierung und faire Partner auf dem europäischen Markt.

 

Foto: Kakaoanbau und Schokolade, Organic Africa Pavillion, © foodfibel.de

Genossenschaftliche Kooperativen in Ghana, Fairtrading mit Chocofan Ghana Beans, auf der Messe vertreten im  Organic Africa Pavillion. © foodfibel.de

 

Der Anbau und die Ernte von Kakao ist ein Garant für den Erhalt der lokalen Waldgebiete, denn als Waldpflanze ist der Kakaobaum für Plantagenanbau schlichtweg ungeeignet. Über den Kakao ermöglicht der Wald der einheimischen Bevölkerung ein Auskommen, die damit ein starkes Interesse am nachhaltigen Erhalt der Waldgebiete hat.

 

Naturprodukte und Superfoods

Besonders interessant fand ich den Stand von GO Superfoods. Mit den Einzelmarken Rainforest Foods und Green Organics werden natürliche Reinstoffe in Pulverform vertrieben: Acai, Baobab, Chlorella, Maca, Kakao undundund..

 

Foto: Rainforest Foods, © foodfibel.de

Kakao, Acaibeere, Chia, Maca, Weizengras, Chlorella als Zutaten für Smoothies oder Kochgerichte. Foto: © foodfibel.de

 

Die pflanzlichen Trockenpulver sind die idealen Zutaten für Smoothies, Shakes und Kochgerichte. In ihrer Reinform kann ich die Pulver und Extrakte entsprechend meinem Ernährungsplan selbst kombinieren.

Bei Fertigmischungen habe ich diese Möglichkeit nicht und so sind diese Mischprodukte in der Regel für jedermann ungeeignet: bei typgerechter Ernährung sind mindestens eine oder zwei Zutaten immer auf der roten Liste. Und je mehr Zutaten, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die ein oder andere Zutat nicht zu meiner individuellen Foodliste passt.

Grundlage einer Foodliste ist die individuelle Typbestimmung. Erst nach dieser biologischen Typisierung kenne ich die für mich geeigneten Lebensmittel. Und darum brauchen wir die Lebensmittel in ihrer Reinform. Das gilt für Gemüse, aber auch für die neuen „Superfoods“.

Die Pflanzenpulver von Rainforest Foods und Green Origins sind zur Zeit nur im online-Handel auf Amazon erhältlich.

 

KlosterKitchen: Ingwer Trink

Der Ingwer-Smoothie von KlosterKitchen konnte in fast allen Bereichen punkten: sehr lecker, sehr gesund, sehr schick. Einzig der Preis im Einzelhandel von rund 10 Euro pro Flasche liegt schwer im Magen. Deshalb trinkt sie auch keiner auf ex, sondern verteilt sie als Stamperl auf mehre Tage. Die Zutaten sind erfreulicherweise ebenfalls recht überschaubar: Ingwer, Wasser, Zitrone und wilde Agave. Sehr gelungen auch die feinen Ingwer-Faserflocken.

Als junges Startup ist der Ingwer Trink noch nicht lange auf dem Markt, aber bereits im Handel bei Rewe und Karstadt erhältlich.

 

 Foto: Ingwer Trink auf der BioFach 2017, © foodfibel.de

Ingwer Trink von KlosterKitchen. Foto: © foodfibel.de

Preisbedingt wird der Ingwer Trink meinen Grüntee vermutlich nicht ersetzen. Aber eine prima Idee ist die scharfe Saftschorle allemal. Und wofür hat man schließlich einen Vitamix in der Küche? ; )

 

Empfehlen würde ich den Ingwer Trink vor allem für die kalte Jahreszeit und nach schweren Mahlzeiten. An heißen Sommertagen ist von Ingwer in Essen und Getränken generell abzuraten.

 

Saubermann, Kraftpaket, Nachtschwärmer..

Kool und interessant sind die Superfood Trinkpulver von Berlin Organics. Durchdachte Kombinationen verschiedener Pflanzenpulver für jeden Zweck. So enthält das Arbeitstier Guarana, Hanfprotein, Maca und Lucuma. Der Saubermann entgiftet mit dem Chlorophyll von Weizengras, Gerstengras, Chlorella und Moringa. Als Zutaten für Smoothies oder als heißer Aufguß sicherlich die einfachste Lösung um an die gängigen Superfoods zu kommen.

 

Foto: Superfood Trinkpulver von Berlin Organics, © foodfibel.de

Superfood Trinkpulver: Nachtschwärmer, Arbeitstier und Saubermann. Foto: © foodfibel.de

Die Dose ist für rund 10 Euro erhältlich im Bio-Handel und auf der Webseite von Berlin Organics.

 

Kurkuma!

Beim Thema Superfood darf Kurkuma-Gelbwurz natürlich nicht fehlen. In einer perfekten Welt trinken wir Kurkumapulver direkt als morgendlichen Aufguss. Für die Küche im Büro und Agentur dürfte der Teebeutel allerdings eine vertretbare Alternative sein. Kurkuma ist der Aktivator für Leber und Stoffwechsel. Seine Heilwirkungen füllen Bücher.

Deshalb schön zu sehen, dass Sonnentor mit der neuen Serie von Kurkuma-Tees die indische Wunderknolle nun auch bei uns heimisch macht. Natürlich hat Kurkuma eine Schattenseite: Gelbwurz ist sehr farbecht und färbt nicht nur die Tasse, sondern auch die Zähne. Mein Tipp: den Tee am besten nicht mit frisch geputzten Zähnen trinken. Mein konzentriertes Kurkuma-Wasser trinke ich übrigens stets mit Strohhalm.

 

 Foto: Kurkuma Tee von Sonnentor, © foodfibel.de

Kurkuma Tee von Sonnentor. Foto: © foodfibel.de

 

BioFach – Le Fin ; )

Messetage sind sehr lange Tage. Man hat viel gesehen, erfahren, erzählt. Kopf und Stimme geben auf, genauso Füße und Beine..

 

 Foto: Teepause auf der Messe, © foodfibel.de

Teepause am Messende mit einem Becher Kurkuma-Grüntee. Foto: © foodfibel.de

 

 

Summasummarum – was bleibt

Die BioFach 2017 war ein Erlebnis für sich, denn nur selten habe ich als Biologe und Ernährungsberater diesen direkten Kontakt mit den Herstellern und „Kollegen im weitesten Sinne“. Bemerkenswert fand ich dieses Jahr zudem die Gespräche mit den behördlichen Vertretern der Lebensmittelkontrolle, insbesondere zu den Themen Arsenreis, Mykotoxine und Pflanzenschutz (für den eigenen Garten).

Das Messepublikum hat seine Highlights gewählt. Dem kann ich natürlich nicht nachstehen ; ) Darum hier die Sammlung meiner ganz persönlichen Favoriten der BioFach 2017:

 

 

 Foto: Lebensmittel, meine Favoriten der BioFach 2017, © foodfibel.de

Quinoa Flips, Pasta, Riegel. Ghana Chocofan, Ingwer Trink, Jungle Bites ichoc, Kurkumatee und Rainforst Foods. Foto: © foodfibel.de