Typgerecht: Ernährung 3.0

Alte Ernährungsmodelle haben ausgedient, denn heutige Ernährung ist individuell und angepasst an deinen biologischen Typus

Essen und Nahrungsaufnahme sind seit jeher die Grundlage unserer Biologie und des Lebens überhaupt. Was sich in den letzten einhundert Jahren jedoch verändert hat, ist unser Wissen und Verhältnis rund ums Essen.

In der Vergangenheit ging es bei Ernährung in erster Linie um Hunger und das nackte Überleben als Mensch und Spezies: Ob als Jäger und Sammler der Steinzeit oder als mittelalterliche Ackerbauern, stets waren wir von Hunger bedroht. Wir aßen, was gegen den Hunger half und uns nicht gleich umbrachte. Unsere Ernährung war wahllos, geprägt von Geschmack und Verfügbarkeit, und natürlich auch abhängig von sozialem Status und Wohlstand. Wer es sich leisten konnte aß Fleisch. Der Rest lebte eher vegetarisch.

Kriege, Seuchen und Hunger sorgten für ein kurzes Leben. Die langfristigen Folgen ungesunder Nahrungsmittel waren deshalb selten ein Thema. Und Krankheiten wie Arthritis oder Krebs sind erst interessant für Menschen Ü40, zu damaliger Zeit eher die Ausnahme. Gesundes Essen war daher vor allem eines: nahrhaft und reichlich.

 

Mythen gesunder Ernährung

Die Defintion gesunder Ernährung änderte sich mit zunehmendem Wohlstand, denn die Zivilisationskrankheiten stellten sich ein, von Übergewicht, Zuckerkrankheit bis hin zu Krebs. Infolgedessen verschob sich auch das Ideal einer gesunden Ernährung.

Diäten wurden ein Kassenschlager. Die neu entdeckten Vitamine eröffneten das weite Feld der Nahrungsergänzung und eine gesunde Ernährung hatte die Form einer Pyramide.

Gesundheit wurde ein Verkaufsargument und die Werbung erschuf die Mythen, die uns bis heute verfolgen: Zum gesunden Frühstück gehört ein Glas OSaft. Milch macht müde Männer munter. Fruktose für Diabetiker. Pflanzenöl wird zum Lebensmittel, und nur das volle Korn ist ein gesundes Korn.

Das Grundprinzip dieser Mythenbildung ist dabei relativ einfach: suche dir aus einem Lebensmittel eine markante Eigenschaft und vermarkte sie als Superfood. Vitamin-C im OSaft, Kalzium in der Milch, Lycopin der Tomate, Ballaststoffe im Vollkorn, aktuell: Chia und Omega-3, die Liste ist endlos. Sekundäre Eigenschaften werden dabei gerne ausgeblendet. Dies gilt vor allem dann, wenn sie das Lebensmittel in der Summe sogar eher ungesund machen.

Neben der komplexen Biologie unserer Lebensmittel wird aber auch gerne unsere eigene Biologie ignoriert. Und dabei findet vor allem die menschliche Vielfalt viel zu selten die nötige Beachtung. Leider, denn wir Menschen unterscheiden uns in unserer Biologie und Körperchemie so sehr, dass ein einheitliches Ernährungsmodell, DIE gesunde Ernährung für jedermann, einfach nicht funktionieren kann.

 

„One diet fits all“ gibt es nicht.

 

Das ist der Grund, warum die klassischen Ernährungsmythen ins Leere laufen. Deshalb funktionieren Ernährungsformen wie Paläo, Vegan oder Rohkost im Einzelfall. Oft genug aber auch nicht.

Infolgedessen hat die Ernährung in ihrer neuen Version 3.0 die biologische Individualität im Fokus. Angepasste Ernährungspläne lösen die mythischen Allgemeinplätze ab und aus Konfektion wird eine typgerechte Ernährung nach Maß, basierend auf deiner einzigartigen Biologie von Geschlecht, Alter oder Blutgruppe.

 

AB0: Ernährung und Blutgruppen

Die AB0-Blutgruppen sind zentrale Marker unserer Biochemie und definieren unseren biologischen Typus.

Das Gen für AB0 ist ein Schalter-Gen, das bereits im Embryo eine Vielzahl physiologischer und biochemischer Weichen stellt. AB0 steuert die Ausbildung der Blutgefäße, die Ausprägung der Verdauungsorgane, den Stoffwechsel, Hormonregulation, und definiert unser Immunsystem.

 

 

Abbildung: Antigene der AB0-Blutgruppen, © foodfibel.de

AB0 ist unser Selbst-Marker. Deine Immunzellen prüfen bei jedem Zellkontakt, ob das richtige Blutgruppen-Antigen vorhanden ist. Und fehlen Zelle, Virus oder Bakterium die richtigen AB0-Marker, werden sie als Eindringling eingestuft und angegriffen.

 

Die AB0-Typen sind zudem Spiegel der menschlichen Evolution und ihre Entstehung ist eng verbunden mit der Lebensweise und Ernährung unserer Vorfahren.

Als Jäger und Sammer war der Mensch ursprünglich Blutgruppe 0 und seine Ernährung sehr reich an Fleisch. Entsprechend verfügt Typ 0 über die stärkste Magensäure und die effektivsten Abwehrwaffen gegen Fleischparasiten und Würmer: die Antikörper Anit-A und Anti-B.

Am Ende der letzten Eiszeit und nach Ausrottung des Großwildes war der Mensch gezwungen seine Lebensweise zu ändern. Er wurde sesshaft, um die neue pflanzliche Nahrung anzubauen. Mit den Dorfgemeinschaften kamen neue Krankheiten und neue Herausforderungen für das Immunsystem. Als Anpassung an dieses neue Leben bildete sich der Typus Blutgruppe A. Und das A-Antigen war die neue Waffe gegen bakterielle Infektionen.

Problematisch auch die neue pflanzliche Nahrung, denn sie war arm an Eiweiß. Typ A wurde deshalb ein Meister, der Nahrung ein Maximum an Protein zu entziehen.

Die Entstehung von Blutgruppe B erfolgte dagegen in den Steppen Zentralasiens. Hier lebten Menschen erstmals als nomadische Herdenhalter, und Pferde waren Reittier, Fleischlieferant, und Käse aus Stutenmilch eine willkommene Ergänzung im Speiseplan.

Blutgruppe AB ist die jüngste aller Blutgruppen und entstand durch das eher zufällige Aufeinandertreffen der Populationen A und B. Das Problem: Für Blutgruppe AB sind deutlich mehr Lebensmittel zu meiden, nämlich die schädlichen Lektine beider Typen A und B.

 

Die Lektin-Connection

Bei Lektinen handelt es sich um Proteine vom Typ Klettverschluss und es gibt sie in den Varianten einfach und doppelseitig.

Die einfachen Lektine heften sich an andere Dinge. So verwenden Leberzellen diesen Lektintyp auf ihrer Oberfläche, um schädliche Bakterien und Parasiten aus dem Blutstrom zu fischen. Zweifache Lektine funktionieren wie doppelseitiges Klebeband und heften zwei Zellen zusammen. Auf diese Weise funktionieren unsere Blutgruppen-Antikörper, die Bakterien zu Zellhaufen vernetzen.

Dieser Vorgang des Klebens und Verklumpens nennt sich Agglutination und ist in der Natur weit verbreitet. Zudem ist er sehr spezifisch, denn Lektine heften sich nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip nur an ganz bestimmte Zielmoleküle. So heften sich die Lektine des Mais an andere Moleküle als die Lektine der Linse. Und Weizenlektin attackiert wiederum andere Oberflächen als Sojalektin.

Lektine sind die Antikörper der Pflanze, gerichtet gegen ihre Fressfeinde: Insekten, Pilze, Bakterien, Viren und auch uns. Für unsere Ernährung spielen Lektine in Lebensmitteln allein deshalb eine große Rolle, weil sie auch die Zubereitung von Kochen bis Verdauung nahezu unbeschadet überstehen. Und wenn sie dann in unseren Körper gelangen, attackieren sie dort Gewebe, Funktionen und stören ganze Regelkreisläufe.

Lektine interagieren mit den Oberflächenrezeptoren weißer Blutkörperchen und stimulieren sie zu übermäßiger Zellteilung. Lektine der Nachtschatten Tomate und Kartoffel heften sich an Gelenke und sind Auslöser von Arthritis. Das Weizenkeim-Lektin führt zu Darmerkrankung, Insulinresistenz und Vitamin-D-Mangel.

 

Lektine gegen AB0

Allerdings heften sich auch viele Lektine gezielt an die AB0-Antigene der Blutgruppen. Einige attackieren A, andere B oder 0. Entsprechend unserer Blutgruppe sind wir also unterschiedlich empfänglich für die Lektine diverser Lebensmittel.

 

 

Abbildung: Lebensmittel mit schädlichen Lektinen für die Blutgruppen 0, A, B und AB

Die Lektine vieler Lebensmittel sind AB0-spezifisch. Aus diesem Grunde sollten diese Lebensmittel von der jeweiligen Blutgruppe gemieden werden.

 

Das Beispiel der Blutgruppen zeigt, wie sehr die Ernährung mit dem Typ unserer Körperchemie verbunden ist. Und neben der Gruppierung nach AB0 existieren natürlich noch weitere Puzzleteile, die das Gesamtbild deines biologischen Typs ausmachen.

 

Kennst du deinen Lebertyp?

Wir Menschen sind eine bunte Kombi von Eigenschaften, die uns in der Summe einzigartig machen. Eine dieser Facetten ist die Blutgruppe. Eine weitere ist unser Lebertyp.

Die Leber ist unser zentrales Organ für Chemie und Stoffwechsel und hierfür hat sie ihre eigenen Enzymsysteme, als da wären: die Transacetylasen. Sie helfen bei der Entgiftung und jede Leber hat da ihren ganz eigenen Typ an Transacetylasen. Es gibt sie in den Varianten stark, mittel und schwach und diese Varianten haben ihre Vor- aber auch Nachteile.

Starke Transacetylasen sind sehr effektiv, wenn es darum geht, Gifte zu verändern um sie schneller auszuscheiden. Allerdings entstehen dabei auch erhebliche Kollateralschäden, wenn auch normale Nährstoffe übermäßig acetyliert werden. Insbesondere die Aufgiftung von Polyaminen aus der Eiweißverdauung ist hier das Problem. Ein guter Ernährungsplan sollte deshalb bei der Auswahl geeigneter Lebensmittel den Lebertyp berücksichtigen.

Eng verbunden mit dem Lebertyp ist aber auch die generelle Strategie deines Körpers, wie er auf Umwelt und Nährstoffe reagiert. Diese Grundprägung erfolgt bereits im Embryo, wenn sich entscheidet, welche Gene wo und wie stark aufgedreht werden. Zusammengefasst in deinem Epigenotyp, entscheidet dieses pränatale Fine-Tuning, ob und wie du auf deine Umwelt reagierst. Ob in den Grundmustern strikt, tolerant oder als Sammler.

Dein Ernährungstyp wäre aber nicht vollständig ohne die klassischen Unverträglichkeiten: Laktose, Fruktose oder Allergien machen Lebensmittel oftmals ungeeignet und sind ein weiterer Faktor für einen typgerechten Ernährungsplan.

 

Deine Superfoods

Eine gesunde Ernährung berücksichtigt unsere ganz persönlichen Eigenheiten und wir haben gesehen, dass es davon reichlich gibt. Was wir am Ende jedoch erhalten, ist ein detaillierter Ernährungsplan, eine individuelle Liste an Lebensmitteln, sortiert nach Eignung, maßgeschneidert für unsere Bedürfnisse und angepasst an unseren biologischen Typus.

Die Highlights eines Ernährungsplans sind natürlich deine Superfoods. Und auch wenn dieser Begriff zur Zeit inflationär gehandelt wird, so sagt er doch genau das: mehr als nur ein Lebensmittel.

Deine Superfoods vertragen sich bestens mit deinem Typ und bringen deine Körperchemie wieder ins Gleichgewicht. Sie dämpfen entzündliche Reaktionen, Allergien und sorgen für eine gesunde Darmflora und ein artenreiches Mikrobiom. Deine Superfoods wirken epigenetisch und stellen deine ursprüngliche Genjustierung wieder her. Sie drehen die Krebsgene zu und die Supressorgene wieder auf. Deine Superfoods halbieren die Krankheitsdauer und sind dein ganz persönlicher Jungbrunnen. Allerdings: Deine Superfoods sind deine Superfoods. Und dies unterscheidet den Begriff sehr deutlich vom gängigen Hype um die exotischen Novel-Foods.

 

 

Foto: Ernährungsplan und Lebensmittelliste, © foodfibel

Mein eigener Ernährungsplan basiert auf meiner Blutgruppe, Epigenotyp, sowie Energieprofil, Alter, Lebertyp, Verträglichkeiten und Allergiestatus. Dabei sind die Lebensmittel sortiert in die Kategorien meiner ganz persönlichen: Superfoods, Gesund, Neutral, Pausiert, Meiden und Supps/Nahrungsergänzungsmittel. Foto: © foodfibel.de

 

Den Superfoods direkt gegenüber stehen all jene Lebensmittel, die wir nach Möglichkeit meiden sollten. Denn deine Meiden-Foods bewirken genau das Gegenteil: Sie stören deine Körperchemie, verarmen dein Mikrobiom, zerstören deine Epigenetik und drehen die Krebsgene auf, die Supressorgene zu. Sie führen zu Übergewicht, entzündlichen Reaktionen, Krankheit und sind Auslöser für Autoimmunerkrankungen wie Diabetes, Arthritis, MS oder Basedow und Hashimoto.

 

Ernährung nach Maß

Den typgerechten Ernährungsplan gibt es leider nicht von der Stange, denn zunächst braucht es ja die Typbestimmung. Zu empfehlen wäre deshalb eine fachgerechte Ernährungsberatung. Falls also Interesse besteht an Superfoods und Typbestimmung: ich helfe gerne weiter : )

Ansonsten bleibt abschließend vor allem eine Erkenntnis: Wir müssen uns vom klassischen Bild unserer Lebensmittel verabschieden. Denn Lebensmittel sind nicht von Natur aus unsere Lebensmittel.

Bei allem was wir da in unserem Kühlschrank aufbewahren, handelt es sich um Pflanzen und Tiere mit ihrer jeweils ganz spezifischen, eigenen Biochemie, die mehr oder weniger mit unserer Biochemie interagiert. Mal zu unserem Vorteil, aber auch oft genug zu unserem Nachteil.

Und diese neue Erkenntnis der Nutrigenomik lehrt uns genau das: Ein Lebensmittel ist immer auch Medizin und Gift. Seine Wirkung endet nicht in Magen und Darm, sondern reicht tief hinein, bis auf die Ebenen von Zelle und Genetik. Wir sollten uns also öffnen für ein neues Verständnis für Essen und Ernährung, insbesondere wenn es um die Auswahl unserer Lebensmittel geht.