Was hat deine Blutgruppe mit der Ernährung zu tun?

Beim Stichwort Blutgruppe denken wir vermutlich weniger ans Essen, sondern vielmehr an Blutspenden und die Vererbungslehre aus dem Bio-Unterricht.

Der Zusammenhang von Blutgruppe und Ernährung erscheint daher nicht nur neu, sondern zunächst auch wenig plausibel. Denn was soll das eine mit dem anderen zu tun haben?

Schließlich gilt die Blut-Gruppe vor allem als ein Blut-Faktor, der in der Transfusionsmedizin eine Rolle spielt.

Blutspende und Transfusion. © serezniy 123rf.com.
Die wichtigsten Marker in deinem Blut sind AB0 und der Rhesusfaktor. Zusammen mit weiteren Blutfaktoren wie Kell, Mn oder Lewis machen sie dein Blut einzigartig.

Die Übertragung von Blut wird bereits seit dem 16. Jahrhundert diskutiert und ausprobiert. Dabei war das Ergebnis einer Transfusion reine Glücksache und niemand konnte sich erklären, warum einige Patienten die Transfusion überlebten und andere nicht.

Licht ins Dunkel brachte der baltische Pharmakologe Hermann Stillmark, der 1888 die Blutgerinnung entdeckte. Er konnte erstmals beobachten, wie ein Pflanzenextrakt aus Rhizinussamen Blutproben gerinnen ließ.

Heute wissen wir, dass die Rhizinusbohne den Wirkstoff Rizin enthält. Ein Lektin, das sich an die Blutzellen heftet, sie zu Zellhaufen verklebt, in die Zellen eindringt und sie tötet.

Lektine: Blutgerinnung durch Pflanzenextrakt

Nach der Entdeckung von Rizin fand man in zahlreichen Pflanzen viele weitere Lektine, die mit dem Blut reagieren.

Pflanzenexrakt. © Olga Yastremska  123rf.com.
Lektine sind die Antikörper und Abwehrstoffe der Pflanze und weit verbreitet in Grünpflanzen, Saaten, Getreide und Hülsenfrüchten.

Der schlesische Arzt Paul Ehrlich nutzte die neuen Pflanzenlektine für seine Immun-Forschung und entdeckte auf diesem Wege das Prinzip von Antigen und Antikörper.

Durch Mischung von Blutproben entwickelte Karl Landsteiner dann um 1900 ein System der Einteilung von Blut in verschiedene Blutgruppen. Die heutigen AB0-Blutgruppen.

Für diese Forschungen wurde er 1930 schließlich mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Der Immuneffekt von Lebensmitteln

In Versuchen mit Erdnüssen und Bohnen konnte Landsteiner zeigen, dass auch unsere Lebensmittel mit den Blutproben reagieren.

Der US-Forscher William Boyd stellte sogar fest, dass bestimmte Lebensmittel nur bestimmte Blutgruppen verklumpen lassen.

So konnte er beobachten, wie der Extrakt der Lima-Bohne nur das Blut von Blutgruppe A gerinnen lässt.

Bohnen, Linsen und Saaten in Schalen. © Sataporn Jiwjalaen 123rf.com.
William Boyd untersuchte 262 Pflanzenarten auf ihre Lektine. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen veröffentlichte er 1949 in seinem Werk „Fundamentals of Immunology“.

Auch der US-Mediziner James D’Adamo bemerkte in seiner Arztpraxis immer wieder die gleichen Krankheiten bei den gleichen Blutgruppen. Denn er hatte es sich zur Angewohnheit gemacht bei seinen Patienten die Blutgruppe zu notieren.

Seine Erfahrungen publizierte er 1980 in seinem Werk „One Man’s Food : Is Someone Else’s Poison“. Des einen Nahrung – ist des anderen Gift.

Sohn Peter D’Adamo trat in die Fußstapfen seines Vaters als Arzt, Blutgruppenforscher und Autor. Denn ihn interessierten vor allem die Gründe und Ursachen:

  • Warum verhalten sich die Blutgruppen so unterschiedlich?
  • Welchen Einfluss haben Lektine in Lebensmitteln auf die Körpergewebe und Organe?
  • Und wie beeinflussen die AB0-Antigene und Antikörper unser Mikrobiom, Keime und Krankheiten?

Basierend auf den bereits bekannten Listen der Pflanzenlektine verfasste Peter D’Adamo erstmals Lebensmittellisten für die vier AB0-Blutgruppen. A, B, 0 und AB.

Und mit seinen Büchern zum Thema „Blutgruppe und Ernährung“ legte Peter D’Adamo vor rund 20 Jahren den Grundstein für die heutige typgerechte Ernährung.

Doch was genau ist das AB0-System?

Dein AB0-Antigen ist dein Selbstmarker.

Das A, B oder 0 ist der Reisepass deiner Körperzellen. Denn deine Immunzellen prüfen bei jedem Passanten, ob das richtige Blutgruppen-Antigen vorhanden ist. Und fehlen der Zelle, dem Virus oder dem Bakterium die richtigen AB0-Marker werden sie als Eindringling eingestuft und angegriffen.

Beispielsweise hat Corona-Virus ein A-Antigen auf der Oberfläche. Die Blutgruppen 0 und B verfügen über Anti-A und können daher effektiver gegen Corona vorgehen.

Schaubild Biochemie der Blutgruppen. Antigene, Antikörper. © foodfibel.de, eigenes Werk.
Die AB0-Antigene finden sich auf deinen Körperzellen und in den Körperflüssigkeiten. Das Antigen besteht aus dem Zucker Fucose als Fuß. Die Blutgruppen A und B haben zusätzliche Signalzucker auf der Fucose.

Die AB0-Antigene in den Sekreten von Träne, Speichel, Sperma oder Darmsekret neutralisieren Viren und Bakterien.

Die Antigene binden ebenfalls die schädlichen Lektine bestimmter Lebensmittel bevor sie deine Zellen erreichen. Sie wirken dabei wie ein „Schmutzfänger“ in der Waschmaschine.

So prägt die Blutgruppe dein Mikrobiom

Die Antigene und Antikörper für AB0 sind Immunfaktoren zum Schutz gegen Viren, Bakterien und Parasiten.

Und da wir es bei den vier Blutgruppen mit vier verschiedenen Systemen von Antigen und Antikörpern zu tun haben, ist es nur folgerichtig, dass diese vier Blutgruppen auch sehr unterschiedlich mit den verschiedensten Erregern interagieren.

Schließlich haben die meisten Keime selbst Antigene auf ihren Oberflächen, auf die deine AB0-Antikörper reagieren.

Die meisten Menschen geben ihre AB0-Antigene zudem in ihre Körpersekrete ab. Dort ist das A-Antigen für einige Bakterien ein nahrhafter Zucker. Für andere Erreger ist es ein Störfaktor, der die Anheftung und den Angriff auf deine Zellen oder Darmwand sabotiert.

Bestimmte Keime fühlen sich daher sehr wohl und bleiben. Während andere abgeschreckt werden und gar nicht erst bei dir sesshaft werden.

Infolgedessen entstehen in deinem Mikrobiom je nach Blutgruppe unterschiedliche Gemeinschaften von Viren und Bakterien.

Bakterienstämme des Mikrobioms Lactobacillus, Lactococcus, Propionibacterium, Streptococcus, Bifido, Bulgaricus. ©  yevgenijd 123rf.com.
Die Zusammensetzung deines Mikrobioms ist abhängig von deiner Ernährung. Und von deiner Blutgruppe.

Darüber hinaus ist das A-Antigen der Blutgruppe A ein Hemmstoff für das Darmenzym „Intestinale Alkalische Phosphatase“ kurz IAP.

IAP neutralisiert und spaltet die Lipopolysaccharide in der Kapselhülle Gram-negativer Bakterien. Und so ist IAP die Waffe gegen schädliche Gram-negative wie E. coli, Pseudomonas, Chlamydien und Pesterreger Yersinia.

Wird das IAP jedoch durch das A-Antigen gehemmt, erklärt dies, warum vor allem Blutgruppe A mit Gram-negativen zu kämpfen hat. Was ebenfalls erklärt, warum rund 10 % ihr A-Antigen lieber nicht in das Darmsekret abgeben, und auf diesem Wege ihr IAP schützen. Sie sind sogenannte „Nicht-Sekretoren“.

Was ist ein Nicht-Sekretor?

Nicht alle Menschen sekretieren ihr A, B oder 0 in die Körperflüssigkeiten. Daher bezeichnet man diese Gruppe als „Nicht-Sekretoren“.

Da beim Nicht-Sekretor die „Schmutzfänger“ für Keime und Bakterien fehlen, führt das häufig zu Entzündungen von Mandeln, Blinddarm, Mittelohr, Atemwegen oder Darmerkrankungen wie Morbus Crohn.

Hast du mehrere oder alle dieser Anzeichen? Dann besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass du einer dieser seltenen Nicht-Sekretoren bist.

Nicht-Sekretoren machen zwar nur 10 % der Bevölkerung aus, beim Arzt und im Krankenhaus jedoch 70 % der Patienten.

Die Prägung durch Blutgruppe

Deine Blutgruppe ist nicht nur ein Kleber für Keime und Lektine. Vielmehr ist das Gen für AB0 ein Gen-Schalter, der bereits im Embryo eine Vielzahl weiterer physiologischer und biochemischer Weichen stellt.

Je nach Blutgruppe steuert AB0 die Ausbildung deiner Blutgefäße, deiner Verdauungsorgane, den Stoffwechsel, Hormone und definiert dein Immunsystem.

Der Chromosomensatz des Menschen. Chromosom 9 mit dem Gen für die Blutgruppe. © foodfibel.de.
Das Gen für AB0 liegt auf Chromosom 9q direkt neben weiteren wichtigen Genen, wie dem DBH für den Dopaminstoffwechsel.

Liegen Gene dicht beisammen spricht man von einer Kopplungsgruppe, denn in der Vererbung werden sie als ganzes Paket weitergegeben.

Die Gene der Blutgruppen A, B und 0 reisen somit in Gesellschaft und haben stets ihre eigene Entourage an typischen Eigenschaften dabei.

So können Eigenschaften gebündelt und zu unterschiedlichen Paketen geschnürt werden. Und dies ergibt ein Sortiment von Menschentypen für eine wechselhafte Umwelt.

Die AB0-Blutgruppen sind daher mehr als einfache Blutfaktoren. Deine Blutgruppe ist ein zentraler Marker deiner Biochemie und definiert deinen biologischen Typ.

Blutgruppe und Kinderwunsch

Doch auch im Hinblick auf die menschliche Fruchtbarkeit spielt die Blutgruppe eine Rolle.

Im Vordergrund steht diesmal der Rhesusfaktor, denn Rhesus-negative Mütter können ein Rhesus-positives Kind abstoßen oder ungewollt schädigen. Insbesondere, wenn es sich um das zweite Kind handelt.

Bei der Geburt des ersten Kindes kommt die Mutter in direkten Kontakt mit dem Kindesblut und dem darin enthaltenen Rhesusfaktor. Spätestens jetzt entwickelt sie Antikörper gegen Rhesus, die dann beim zweiten Kind zu einem Problem werden:

Die Antikörper gelangen über Plazenta und Nabelschnur in den Embryo und können bei einem Rhesus-positiven Kind zu Organschäden führen. Zu Entwicklungsstörungen, bis hin zur Fehlgeburt.

Portrait von glücklichen Paar zeigt Schwangerschaft Kit . © Wavebreak Media Ltd  123rf.com.
Die Blutgruppe von Vater und Mutter ist auch für die Schwangerschaft von großer Bedeutung.

Ein Risiko besteht nur bei einer Rhesus-negativen Mutter und einem Rhesus-positiven Vater.

Der Rhesusfaktor wird dominant vererbt. Das heißt auch wenn der Vater selbst positiv ist, kann er sein verdecktes Gen für Rhesus-negativ an das Kind weitergeben..

Der Rhesusfaktor ist auch anthropologisch sehr interessant, denn er wirft die Frage der Artengrenze auf.

In der Biologie spricht man nämlich von zwei getrennten Arten, wenn Mutter und Vater aus den zwei verschiedenen Gruppen keine (fortpflanzungsfähigen) Nachkommen (mehr) haben können.

Und wie anders lässt es sich deuten, wenn die Rhesus-negative Mutter das Rhesus-postive Kind als „fremd“ abstößt?

Rhesus als Artengrenze?

Weist der Rhesusfaktor auf eine weiche Artengrenze innerhalb der menschlichen Spezies? Waren oder sind Rhesus-positive und Rhesus-negative zwei biologische Arten des Homo sapiens? Ist Rhesus-Negativ eine zweite Art?

Frühe Hominiden und die indigene Völker sind rhesus-positiv. Dagegen tauchte Rhesus-negativ erst relativ spät zusammen mit den Cro-Magnon Menschen auf.

Vor diesem Hintergrund zeichnet die moderne Anthropologie mittlerweile ein neues und sehr spannendes Bild der menschlichen Entwicklung.

Denn aktuell wird die „Out of Africa“-Hypothese von dem Bild einer multipolaren Welt abgelöst. Einer Welt wie Mittelerde, in der die unterschiedlichsten Menschengruppen nebeneinander existiert haben:

Der europäische Neandertaler neben Denisovanern im Altai und Asien. Afrikaner, Homo habilis und die Pygmäen Afrikas. Langschädel, Riesen der Ohio-Mounds, Hühnen, Oger und Hobbits auf Flores.

Weltkarte zur Zeit des Pleistozäns. Public Domain, verändert. © foodfibel.de, eigenes Werk.
Vor rund 20.000 Jahren war das Pleistozän auch geografisch eine andere Welt.
Eispanzer bedeckten den Norden. Die Meeresspiegel lagen weltweit 120 Meter tiefer als heute. Die Küstenlinien und Landflächen waren deutlich verändert. Die Küstenbewohner kannten daher faktisch keinen Sonnenbrand.

In dieser Welt des Pleistozäns lebte der Cro-Magnon entlang der Atlantikküste. Rhesus-negativ mit Blutgruppe 0. Erhalten als Inselpopulationen der Guanchen, Berber und Basken.

Eine weitere Gruppe Cro-Magnon überlebte das abrupte Ende der Eiszeit und die globalen Katastrophen des Younger Dryas vor 12.000 Jahren im anatolischen Kaukasus.

Dort entwickelten diese Kaukasier eine sesshafte Kultur mit Landwirtschaft. In der neuen Warmzeit des Holozäns wurden „die Söhne Noahs“ Züchter von Getreide und Gemüse. Die Blutgruppe A machte das neue Leben leichter und konnte sich zusammen mit der neuen Lebensweise ausbreiten.

So brachten die Kaukasier Pferde, Rad und Bronze mit dem Streitwagen bis nach Indien. Als Indogermanen waren sie die Gründungsväter von Schrift, Sprache, Sumer, Induskultur, Kelten und Germanen.

Als Skythen und nomadische Herdenhalter zogen sie in die asiatische Steppe und entwickelten dort Blutgruppe B.

AB0 ist daher ein Spiegel unserer Vergangenheit und eng verbunden mit der Lebensweise und Ernährung unserer Vorfahren.

Typ 0 – Jäger und Sammler

Junge fischt mit Speer. © teerapolp24, 123rf.com.
Blutgruppe 0 stellt die Weichen für ein Leben als Jäger und Sammler, mit einer Ernährung reich an Fleisch und Gemüse.

Typ 0 verfügt über die stärkste Magensäure. Und die effektivsten Immun- und Abwehrwaffen gegen Würmer und Fleischparasiten: die Antikörper Anti-A und Anti-B.

Der sesshafte Typ A

Getreideernte. Frau trocknet Weizen, © anatols, #19093349 123rf.com .
Der Mensch wird sesshaft um Getreide anzubauen.

Mit den Dorfgemeinschaften kommen neue Krankheiten und neue Herausforderungen für das Immunsystem.

Blutgruppe A ist eine Anpassung an dieses neue Leben. Und das A-Antigen ist die neue Waffe gegen bakterielle Infektionen.

Auch die neue pflanzliche Nahrung ist ein Problem, denn sie ist arm an Eiweiß. Typ A wird deshalb ein Meister, der pflanzlichen Nahrung ein Maximum an Protein zu entziehen.

Nomade und Typ B

Mongolischer Nomade mit Pferd, © Kairi Aun, #93729326 123rf.com .
Die Entstehung von Blutgruppe B lässt sich in die Steppen Zentralasiens zurückverfolgen.

In Zentralasien lebten Menschen erstmals als nomadische Herdenhalter und Tiere waren Reittier und Fleischlieferant.

Auch Käse und Milchprodukte wurden eine willkommene Ergänzung im Speiseplan. Und bis heute ist Blutgruppe B der einzige Typ, für den Milchprodukte lebenslang gut verträglich sind.

Mehr zum Thema Milch und Milchprodukte in meinem Beitrag auf Quora.de.

Halb & halb: Typ AB

Fahrradfahrer in der Stadt. © Oleg Evseev, 123rf.com .
Blutgruppe AB ist die jüngste und eine sehr moderne Blutgruppe. Sie entsteht durch das eher zufällige Aufeinandertreffen der Typen A und B.

Das Problem:

Während die Typen A, B und 0 in sich stimmige Gesamtpakete darstellen, schafft die zufällige Kombination der Eigenschaften von A und B eine Reihe ungewollter Effekte.

Und dies hat erheblich Auswirkungen auf diverse Körperfunktionen von der Blutgerinnung bis hin zur Verträglichkeit von Lebensmitteln und der Interaktion mit den Nahrungslektinen.

AB0 und Kinderwunsch

Die Effekte von Antigen und Antikörper im Kontext der Fruchtbarkeit sind nicht auf den Rhesusfaktor beschränkt, sondern gelten natürlich auch für die AB0-Blutgruppen. Wenn auch in sehr abgeschwächter Form.

So hat eine 0-Mutter bekanntlich Antikörper gegen A. Und in diesem Anti-A Umfeld haben A-Spermien vom Vater oder eine befruchtete A-Eizelle einen schweren Stand.

Für eine erfolgreiche Schwangerschaft ist es daher von Vorteil, wenn es gelingt das Niveau der mütterlichen Antikörper abzusenken. Indem die 0-Mutter sämtliche Lebensmittel meidet, die ihr Anti-A stimulieren könnten.

Dies sind vor allem Lebensmittel, die selbst das A-Antigen enthalten oder generell Immunreaktionen auslösen. Zu finden sind diese Listen und Lebensmittel in den Büchern von D’Adamo oder auch in der Foodfibel App.

Warum lese ich darüber nichts in der Zeitung?

Die Wirkung von Lektinen in der Nahrung und die Verbindung zu den Blutgruppen ist seit vielen Jahrzehnten dokumentiert und bekannt.

In Japan ist die Vorstellung von Typ und Persönlichkeit eng mit der Blutgruppe verbunden. Die Angebote für die vier Blutgruppen reichen von Lebensmitteln, Datingplattformen bis zum Badezusatz.

Das Standardwerk von Peter D’Adamo „Eat Right 4 Your Type“ ist mittlerweile rund 20 Jahre alt. Trotzdem findet das Thema in den Medien nicht statt.

Die Gründe sind vielfältig und sicherlich auch in der Natur des Menschen begründet, denn der Mensch liebt die Dinge so wie sie sind.

Auch bedeutet ein Umdenken in Ernährungsfragen immer auch ein Eingeständnis, dass man bisher falsch gelegen hat.

Dr. Steven Gundry im KTLA TV Morning News. Screenshot.
Der frühere US-Chef-Kardiologe Steven Gundry MD entschuldigt sich bei seinen Patienten für Jahrzehnte falscher Ernährungsempfehlungen und erklärte ganz öffentlich: „Sorry, I was wrong“.

Dieses Eingeständnis ist für Experten besonders schwer, wenn sie noch in Amt und Würden sind. Und dies auch bleiben wollen.

Aus diesem Grunde muss der wissenschaftliche Fortschritt vor allem gegen die Kollegen vom eigenen Fach erkämpft werden. Heute wie damals:

  • Die Probleme von Kepler und Galileo sind bekannt, als sie die Sonne in den Mittelpunkt des Weltbildes rückten.
  • Charles Darwin traute sich erst zum Lebensende mit seiner Evolutionstheorie an die Öffentlichkeit. Weil er wusste, was ihn erwarten würde.
  • Robert Koch wurde von seinen Kollegen verlacht, als er von Bakterien und Hygiene sprach.
  • Alfred Wegener wurde von sämtlichen Geologen verlacht und ausgebuht, als er die Kontinentaldrift vorstellte.
  • Geologen wie Robert Schoch datieren das Alter der Sphinx auf 12.000 Jahre und älter, während Ägyptologen bis heute auf ihrer Timeline beharren.
  • Kristian Birkeland lieferte mit der Plasma-Kosmologie ein funktionierendes Modell des Universums. Während die Astrophysik bis heute Dunkle Materie und Schwarze Löcher postuliert, damit ihre Modelle funktionieren.
  • Nobelpreisträger Luis Alvarez musste seine Einschlagtheorie zum Aussterben der Dinosaurier gegen massive Widerstände erkämpfen. Vor allem deshalb, weil die meisten Fachleute bereits mit eigenen Erklärungen zum Ende der Dinosaurier in der Öffentlichkeit standen.
  • Nobelpreisträger Otto Warburg erklärte Krebs mit dem Versagen von Mitochondrien und Sauerstoff-Zellatmung. Trotzdem werden in der Krebstherapie bis heute so gut wie keine physiologischen Ansätze verfolgt.

Die Toronto-Studie: Fake Science?

Ein gutes Beispiel für den wissenschaftlichen Widerstand gegen ein Umdenken ist auch die oft zitierte Toronto-Studie. Sie behauptet, den Zusammenhang von Blutgruppe und Ernährung widerlegt zu haben.

Konkret wurde in dieser Studie der Universität von Toronto die Ernährung von 1.455 Studenten begleitet.

Fastfood Burger, Pommes, Cola, Pizza, Hotdog, Ketchup, Popcorn.© Anna Zasorina 123rf.com.
Im Verlauf der Toronto-Studie haben die Probanden die gleichen Dinge essen dürfen wie zuvor. Mit dem Unterschied, dass sie dies in einer Checkliste anzukreuzen hatten.

In der Auswertung wurden für die verzehrten Lebensmittel positive oder negative Wertungspunkte vergeben. Je nachdem, ob ein Lebensmittel positiv oder negativ für die jeweilige Blutgruppe gelistet ist. Diese Plus- und Minuspunkte wurden dann zu einem Punkte-Score addiert.

Abschließend wurden die Punkte-Scores mit den Messwerten für Insulin, Cholesterin und Trigyceriden verglichen. Und dabei zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Punktebilanz und den Blutparametern.

Doch ist das verwunderlich?

Kritik am Studienkonzept

Bereits das Konzept der „Studie“ irritiert, denn letztlich ist ja kein Proband der Blutgruppen-Ernährung gefolgt. Jeder Teilnehmer hat das Gleiche gegessen wie zuvor.

Dagegen hätte ich erwartet, dass eine Testgruppe zumindest alle schädlichen Lebensmittel meidet. Und eine Kontrollgruppe isst normal weiter. Dann wird verglichen.

Statt dessen wurde nur das Punkte-Verhältnis von positiven und negativen Lebensmitteln bestimmt. Und dies zeigt, wie wenig die Studie das Prinzip verstanden hat oder verstehen wollte. Denn wird eine Zigarette gesünder, wenn ich anschließend ein Glas Holundersaft trinke?

Ein zweiter Kritikpunkt an der Studie besteht in den erfassten Messwerten, die ja ausschließlich die klassischen Parameter wie Fett und Blutzucker betrachten. Wie bei einer Abnehm-Diät.

Die Blutgruppen-Ernährung ist jedoch keine schlichte Abnehm-Diät, sondern ein Gesundheitsprogramm, das Entzündungswerte verbessert, das Mikrobiom fördert, die Nieren entlastet, Blut und Gefäße schützt.

Sollte man da nicht eher diese Parameter messen und zur Auswertung heranziehen?

Pizza, Keks und Tropenfrüchte?

Der dritte Kritikpunkt betrifft die Checkliste der Lebensmittel selbst. Schließlich werden ja die Wertungspunkte nach dieser Liste vergeben.

Doch was ist davon zu halten, wenn in der Checkliste statt konkreter Zutaten sehr viel Allgemeines anzukreuzen ist. Wie zum Beispiel „Pizza“, „Hamburger“, „Muffins“, „Kekse“ oder „Tropenfrüchte“?

Was sind denn die „Tropenfrüchte“? Ananas, Mango oder Bananen?

Es ist kaum zu glauben, doch die Fruchtsorten werden nach Liste überhaupt nicht unterschieden. Für die Studie macht es keinen Unterschied ob Ananas, Mangos oder Bananen gegessen werden. Die teils völlig konträren biochemischen Profile der verschiedensten Tropenfrüchte wird völlig ignoriert.

Das gleiche bei den „Muffins“: Sind sie mit Ei? Butter? Weizenmehl? Was für einen Belag haben Pizza und Burger? Was für einen Teig und Öl?

Burger Zutaten frei schwebend. © Kidsada Manchinda  123rf.com.
Welche Zutaten hat der Burger? Rind oder Chicken? Dinkel, Weizen, mit oder ohne Sesam? Auch die Beilagen Tomate, Käse und Ketchup mit Zucker und Essig werden in der Auswertung gar nicht berücksichtigt.

Hier nachzulesen: der direkte Link zur Lebensmttel-Liste der Toronto-Studie.

All dies hat nichts mit Blutgruppenernährung zu tun. Obwohl die Bücher von D’Adamo in den Referenzen der „Studie“ angeführt werden. Es hätte vermutlich nicht geschadet sie auch zu lesen.

Mit Absicht falsch – oder einfach nur unwissend?

Studien dieser Art sind prägend und machen Meinung. Sie werden im Internet zitiert und als Schlagwort verbreitet. Denn wer macht sich schon die Mühe und liest den Methodenteil einer Studie? Und das alles auf englisch?

Die Toronto-Studie stammt von 2014. Doch das Internet vergisst nicht und so wird sie uns noch lange erhalten bleiben. Auch wenn die Autoren von damals die Sache vermutlich längst anders betrachten.

Blutprobe und Genkarte. ©  luchschen 123rf.com.
Die Biochemie und Zusammenhänge von Genetik, Antigen, AB0 und Sekretor erscheinen oftmals sehr komplex und wirken sehr technisch. Insbesondere im Kontext von Essen und Genuss.

Auf der deutschen Wikipedia wird der Zusammenhang von Ernährung und Blutgruppen daher als „esoterisch“ bezeichnet. Dabei ist es reine Physiologie und elementare Biochemie. Ein Beispiel:

Milch, Laktose und die Blutgruppen

Milch ist eine hochkomplexe Nährlösung für die ersten Lebensmonate von Säugetieren. Aus diesem Grunde nehmen erwachsene Säugetiere in der freien Natur ab einem gewissen Alter keine Milch mehr zu sich.

Auf Dauer werden die Wirkstoffe der Milch nämlich zu einem Problem. So zum Beispiel der Milchzucker Laktose.

Laktose ist ein Doppelzucker bestehend aus Glukose und Galaktose.

Für die Verdauung muss Laktose daher in ihre Bestandteile zerlegt werden. Geschieht dies nicht, wird Laktose von Darmbakterien zersetzt, was zu Verdauungsproblemen und Blähbauch führen kann.

Milch im Kaffee. © seventyfour74  123rf.com.
Zahlreiche Menschen vertragen keine Laktose, denn sie können den Doppelzucker nicht enzymatisch spalten. Sie sind laktoseintolerant.

Aber auch mit intakter Laktosespaltung kann Milchzucker zu einem Problem werden. Denn der Galaktose-Baustein in Laktose ist zugleich die funktionale Gruppe im Blutgruppe B Antigen.

Hast du dich schon einmal gefragt:

Warum ist in der Milch überhaupt Laktose? Warum nicht direkt Glukose als Energieträger? Oder vielleicht Maltose, der Doppelzucker mit zwei Teilen Glukose? Warum der umständliche Weg über Laktose?

Der Grund ist immunologisch:

In den ersten Lebensmonaten stimuliert die Galaktose in Laktose bei Menschen der Blutgruppen A und 0 die Ausbildung von Anti-B Antikörpern.

Diese Immunprägung ist ein Schutz gegen bakterielle und virale Erreger. Führt dann aber zu Problemen, wenn lebenslang Milch mit Laktose getrunken wird.

Schließlich werden mit der Milch immer wieder neue B-Antigene zugeführt. Was wiederum die Immunreaktionen ankurbelt und entzündliche Prozesse oder Autoimmunerkrankungen befördert.

Dieses Beispiel zeigt besonders deutlich, wie die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln sehr direkt mit der Biochemie deiner Blutgruppe reagieren.

Als Biologe und Ernährungstherapeut besteht für mich kein Zweifel an der Relevanz und Bedeutung einer typgerechten Ernährung. Und ein wesentlicher Teil typgerechter Ernährung sind die Faktoren AB0-Blutgruppe und Sekretor-Status.

Insofern sind dies auch zentrale Aspekte meiner Ernährungsprogramme und natürlich auch der Foodfibel-App.

Wer sich in das Thema der Blutgruppen weiter einlesen möchte, dem kann ich an dieser Stelle die Blutgruppen-Bücher von Peter D’Adamo sehr ans Herz legen. Und meine Blog-Artikel zum Thema:

Was ist typgerechte Ernährung?

Welche Faktoren bestimmen deinen Typ? Was gibt es noch außer der Blutgruppe?

Weiterlesen:

Artikel von Frank Lewecke, aktualisiert am .