Glyphosat vs. Mikrobiom

Mehr als ein Pflanzengift: Glyphosat wirkt auch im menschlichen Körper!

Abbildung: Mikrobiom und Darmflora

Unser Körper besteht aus rund 10 Billionen Zellen, dagegen leben allein in unserem Darm etwa 100 Billionen Bakterien 2.000 verschiedener Arten. Ein Menschen mitsamt seines Mikrobioms wäre demnach nur zu etwa 10 Prozent „menschlich“.

Glyphosat ist das in Deutschland und weltweit am häufigsten eingesetzte Pflanzengift und wurde bereits 2015 von der WHO als vermutlich krebserregend eingestuft. In die Schlagzeilen kam das Herbizid jedoch erst 2016, als Glyphosat auch im deutschen Bier nachgewiesen wurde. Die Frage, ob und inwieweit Glyphosat krebserregend ist, bleibt bis heute strittig, da insbesondere der Hersteller Monsanto Gefahren für tierische Organismen ausschließt.

 

Unser täglich Antibiotikum

Die biochemische Wirkung von Glyphosat ist unstrittig: es lässt die Pflanzen absterben indem es den Shikimat-Weg hemmt, über den Pflanzen ihre Aminosäuren Tryptophan, Tyrosin und Phenylalanin herstellen. Diesen Stoffwechselweg gibt es neben Pflanzen aber auch bei Pilzen und Mikroorganismen. Und da wir selber über ein sehr ausgeprägtes Mikrobiom verfügen, unterscheidet sich das Glyphosat in unserer Nahrung nur wenig von der Wirkung medizinisch verabreichter Antibiotika. Es zeigt sich, dass vor allem die förderlichen Milchsäure- und Bifido-Stämme in unserem Darm-Mikrobiom betroffen sind. Sie sind die freundlichen Helfer, die uns mit Vitaminen und Nährstoffen versorgen und auch die gefährlichen Schadkeime niederhalten. Im Gegenzug rücken nun jedoch weniger Glyphosat-empfindliche und dafür toxische Chlostridien nach, bekannt vor allem durch ihr Botulinus-Toxin und als Erreger der Fleischvergiftung.

Damit nicht genug, stört Glyphosat in der Leber den Sulfatstoffwechsel und hemmt die Cytochrom-P450-Enzyme, mit denen unsere Leber die Umweltgifte neutralisiert. Beide Effekte wirken synergistisch und verursachen Zellschäden und entzündliche Reaktionen körperweit. Und das Gesamtbild entspricht dann auch ziemlich genau dem, was wir bereits als Folgen einer Westlichen Ernährung kennen: eine gestörte Verdauung, Autoimmunerkrankungen, Diabetes, Herzerkrankungen, Depression, Autismus bis hin zu Krebs und Alzheimer. Die Frage, inwieweit Glyphosat selber krebserregend ist, wirkt vor diesem Hintergrund also eher müßig.

 

Grenzwerte reichen nicht

Relativ neu ist die Erkenntnis, dass Glyphosat an die Östrogen-Rezeptoren menschlicher Zellen bindet und damit als hormoneller Disruptor wirkt, mit weitreichenden Folgen für unsere körperliche Entwicklung aber auch die Entstehung von Brustkrebs. Entscheidend ist bei dieser hormonellen Wirkung, dass die Dosis-Wirk-Beziehung nicht mehr greift, denn üblicherweise gilt, dass ein Mehr des Stoffes auch ein Mehr an Wirkung bedeutet. Hormone wirken jedoch in Kleinstmengen, was die zulässigen Grenzwerte für Glyphosat bezüglich Toxizität und LD50 ad absurdum führt.

Sicherlich weniger dramatisch, jedoch erwähnenswert ist die Tatsache, dass Glyphosat die Mineralien unserer Nahrung in sogenannten Chelat-Komplexen bindet, so dass wir vor allem Magnesium, Kalzium, Eisen und Zink im Darm gar nicht mehr aufnehmen können.

 

Der Ausweg: Bio

Das Thema Glyphosat ist sehr aufgeladen, da es auf der einen Seite unsere Gesundheit samt Mikrobiom betrifft, demgegenüber aber auch erheblich an den Interessen von Agrochemie und Landwirtschaft kratzt. Mit einem baldigen Verbot von Glyphosat ist deshalb eher nicht zu rechnen, auch wenn sich 2016 im EU-Parlament keine Mehrheit finden ließ, um Glyphosat für weitere 15 Jahre zuzulassen.

Bis dahin liegt es also weiter in deiner Hand, indem du Glyphosat-Lebensmittel einfach meidest: Gentechnik ist tabu, denn die resistenten Gen-Pflanzen sind durch Dauerbehandlung randvoll mit Glyphosat. Lebensmittel der Wahl sind die ungespritzten Bio-Produkte von sauberen Äckern, ideal natürlich mit den Bio-Siegeln Demeter oder Bioland.

 

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