Die Schattenseite von Kartoffel, Tomate und Co.

Grünes Gift – Nachtschattengewächse auf dem Teller

Tabak, Engelstrompete oder Stechapfel – die botanische Familie der Nachtschattengewächse Solanaceae umfasst mehr als 2.000 Arten, die sich vor allem durch ihren Gehalt an natürlichen Giften auszeichnen. Neben diesen ungenießbaren und hochgiftigen Vertretern zählen aber auch einige unserer gängigen Gemüsesorten zu dieser problemtischen Pflanzenfamilie.

Zu den essbaren Vertretern gehören insbesondere:

  • Kartoffel
  • Tomate
  • Aubergine
  • Paprika
  • Chili
  • Goji Beere

 

In unserer Ernährung haben diese Gemüse-Nachtschatten den Rang von Grundnahrungsmitteln und sind aus der heutigen Küche nicht mehr wegzudenken. Kaum vorzustellen, wie die Römer oder das Mittelalter gegessen haben müssen, denn die Gemüse-Nachtschatten kamen bekanntlich erst mit Kolumbus nach Europa.

Heute sind Tomaten und Paprika mit ihrer Farbe wie auch geschmacklich eine Bereicherung für viele unserer Gerichte und sogar die eher blasse Kartoffel ist sowohl nahrhaft als auch reich an Vitamin C und Mineralien.

Insofern kann es nicht verwundern, dass Tomaten und ihre Zubereitungen inzwischen allgegenwärtig sind in Salaten, Ketchup, Pizza oder Pastasoßen. Kartoffeln begleiten uns als Pellkartoffeln, Kartoffelbrei, Pommes, Wedges oder Klöße. Nicht weniger verbreitet auch die Paprika mit ihren scharfen Varianten als Chili, Cayenne Pfeffer und damit in Curry und Gewürzmischungen omnipräsent.

Doch all dies kommt mit einem Preis, denn auch die Gemüse-Nachtschatten sind nicht frei von den für alle Nachtschatten typischen, natürlichen Giften.

 

Die dunkle Seite der Nachtschatten

Alkaloide

Ein wesentliches Merkmal aller Nachtschattengewächse ist ihr Gehalt an giftigen Alkaloiden. Diese sind die Ursache für entzündliche Reaktionen bis hin zu tödlichen Vergiftungen. Am bekanntesten ist dabei sicherlich das Nikotin der Tabakpflanzen, Atropin der Tollkirsche oder das Solanin unserer Gemüse-Nachtschatten mit höchsten Konzentrationen in Kartoffel und Aubergine.

Solanin ist ein starker Hemmstoff für das Enzym Cholinesterase, das in unseren Nervenzellen für das Abklingen der Nervenimpulse sorgt. Die Folge: Solanin verursacht anhaltende Muskelkontraktionen, Krämpfe und beim morgendlichen Aufstehen oder wenn wir längere Zeit sitzen, erleben wir dies als Muskelverhärtung und Steifigkeit.

Darüber hinaus zerstört Solanin die Zellwände in der Darmwand und eine Solanin-Vergiftung führt im schlimmsten Fall zu blutigem Stuhl mit tödlichem Ausgang. Doch auch die chronische Vergiftung durch geringe Dosen schädigt bereits die Darmwand und ist Türöffner für weitere Erkrankungen, die wir allerdings nur selten mit einer Darmschädigung oder Nachtschatten-Verzehr in Verbindung bringen.

Bei Solanin handelt es sich übrigens um einen Sammelbegriff, denn die verschiedenen Gemüse-Nachtschatten enthalten neben Solanin auch weitere chemische Varianten. Beispielsweise das Chaconin in der Kartoffel oder Tomatin der Tomate.

Ein weiteres typisches Alkaloid aller Nachtschattengewächse ist das Nikotin. Beim Verzehr unserer Gemüse-Nachtschatten sollten wir deshalb stets auch deren Suchtpotential beachten. Und da Nikotin-Aufnahme zudem körperliche Heilungsprozesse stört, sollte nach Verletzung oder Operation bewusst auf den Verzehr von Nachtschatten verzichtet werden.

Capsaicin ist das Alkaloid von Chili und scharfem Paprika und auch wenn es oft als anti-entzündlich in Wärmepflastern beworben wird, so ist es dennoch ein Reizstoff für unsere Gewebe. Insbesondere Lungen reagieren sehr stark auf Capsaicin, was bereits zu Todesfällen nach dem Einsatz von Capsaicin-Pfeffersprays geführt hat. Asthmatiker sollten Chili und scharfe Paprika deshalb generell meiden.

Calcitrol

Ein weiterer Problemstoff der Nachtschatten ist das Calcitrol. Eigentlich ein Hormon der Niere und Derivat des Vitamin D3, reguliert es in unserem Körper die Kalziumaufnahme. Es wirkt bereits in geringsten Mengen und wird deshalb von der Niere sehr strikt reguliert. Mit dem Verzehr von Nachtschatten umgehen wir jedoch diese Nierensteuerung: Es kommt zu einer weit überhöhten Kalziumaufnahme im Darm, überhöhten Kalziumwerten im Blut und damit verbundener Ablagerung als Verkalkung in Bindegeweben, Gefäßen, Sehnen und Gelenken. Arteriosklerose, Schmerzen und Arthritis sind die Folge.

Lektine

Nachtschatten sind reich an Lektinen, den natürlichen Abwehrstoffen der Pflanze, gerichtet gegen Insekten und Pilze. Lektine sind Anheft-Moleküle, die sich an die Darmwand und Weichgewebe heften und diese angreifen. Bei Insekten, aber genauso in unserem Darm. Dort verursachen sie Erkrankungen des Darms wie Leaky Gut und als weitere Folgen Autoimmunerkrankungen wie Arthritis, Diabetes oder Hashimoto.

 

Die Risiken einschätzen

Wir alle essen regelmäßig Nachtschattengewächse, doch nicht jeder ist gleich empfänglich für die Lektine und Alkaloide von Kartoffel oder Tomate. Zum einen gelangen bei intaktem Darm und gesundem Mikrobiom deutlich weniger Nachtschatten-Gifte in unseren Körper. Zudem sind die Lektine sehr stark blutgruppenspezifisch und greifen auf diesem Wege nur bestimmte Blutgruppen an.

Die Lektine der Tomate reagieren mit dem A-Antigen der Blutgruppe A und dem B-Antigen der Blutgruppe B und führen dort zu Stoffwechselstörungen und anomalen Blutreaktionen. Das Kartoffel-Lektin attackiert dagegen die Antigene der Blutgruppen 0 und A, was hier ebenfalls zu anomalen Blutreaktionen und erhöhter Krankheitsanfälligkeit führt. Paprika und Chili sind für die Blutgruppen A und AB zu meiden.

Die Anfälligkeit für Nachtschatten zeigt sich in Erkrankungen des Darms, aber auch in sekundären Folgen wie Arthritis, Akne, Osteoporose, Gelenksteifigkeit, Wetterfühligkeit, Schlaflosigkeit und entzündlichen Erkrankungen, zum Beispiel der Blase.

In diesen Fällen sollte der Verzehr von Kartoffel, Tomate, Aubergine und Paprika stark eingeschränkt oder komplett vermieden werden. Im gut sortierten Handel finden wir zum Glück eine Vielzahl geeigneter Gemüse, um die Nachtschatten in unserem Speiseplan zu ersetzen.

 

 

 

Abbildung: Kartoffel, Tomate, Paprika, Aubergine, Chili in der Ernährung ersetzen.

Die Gemüse-Nachtschatten Kartoffel, Tomate, Aubergine, Paprika und Chili enthalten neben Lektinen auch das giftige Solanin und sollten deshalb in der täglichen Ernährung durch geeignete Alternativen ersetzt werden.

 

Nachtschatten auf dem Teller

Für viele Menschen ist der Verzehr von Nachtschattengewächsen relativ unproblematisch, sofern entsprechende Regeln eingehalten werden.

Zum einen sollten wir unreife Nachtschatten meiden, denn der Solaningehalt nimmt bei der Reifung ab. Die roten Tomaten und Paprika sind deshalb stets der grünen Variante vorzuziehen.

Desweiteren sollte beim Einkauf auf moderne Sorten von Kartoffel, Tomate oder Paprika geachtet werden, denn alte Sorten sind besonders reich an Solanin.

Achte auf die versteckten Nachtschatten in Gewürzmischungen oder gefärbten Lebensmitteln, die Paprikapulver und Tomaten enthalten. Ebenfalls oft zu finden im Kleingedruckten: Kartoffelstärke als Bindemittel in Soßen oder im Brotaufstrich. Und nicht zu vergessen: auch Wodka ist ein Kartoffel-Produkt!

 

Kartoffeln in der Küche

Kartoffeln sollten immer gut geschält werden, da sich unter der Schale das meiste Solanin befindet. Dementsprechend sind Wedges und Pellkartoffeln tabu.

Wenn möglich sollten wir Kartoffeln wie alle Nachtschatten gut und in reichlich Wasser kochen. Das Kochwasser löst einen Teil der giftigen Alkaloide und sollte im Anschluss abgegossen werden. Ideal ist das Kochen der Kartoffeln in Scheiben, da sich über diese großen Scheibenoberflächen mehr Solanin herauslösen kann. Selbiges gilt für die Lektine, die beim Kochen auch zu einem geringen Teil zersetzt werden.

Wenn Kartoffeln grüne Stellen aufweisen, sollte die Kartoffel komplett entsorgt werden, denn durch Einsetzen der Keimung ist der Solaningehalt bereits zu hoch für den menschlichen Verzehr. Diese Keimung wird durch Licht stimuliert und so sollten Kartoffeln immer in absoluter Dunkelheit gelagert werden. Problematisch ist deshalb die offene Auslage im Ladengeschäft. Wähle darum stets einen verdeckten Kartoffelbeutel von unten.

Kartoffeln wehren sich mit Solanin gegen ihre Fressfeinde. Kartoffeln mit Spuren von Pilzbefall, Schimmelflecken oder Fraßspuren sollten deshalb komlett entsorgt werden. Wir können davon ausgehen, dass diese Kartoffel zur Abwehr inzwischen reichlich Solanin gebildet hat und damit ebenfalls zu gefährlich ist für menschlichen Verzehr.

 

Insbesondere Schwangere sollten bei der Zubereitung von Kartoffeln sehr gründlich auf den Zustand und Reifegrad jeder einzelnen Kartoffel achten.

 

 

Unser täglich Nachtschatten

Das Hauptproblem beim Verzehr von Nachtschattengewächsen ist der tägliche Umgang. Am Montag die Pizza, Dienstag gefüllte Paprika, Mittwoch die Currywurst, Donnerstag Pasta Bolognese, Freitag Pommes, Samstag der Bauernsalat, Sonntag die Braten-Klöße und im Club der Wodka-Lime. Nachtschattengewächse sind immer und überall, und damit auch ihre Gifte.

Erschwerend kommt hinzu, dass unser Körper diese Gifte in der Leber nur zu einem geringen Teil abbauen kann. Solanin muss also wieder über Blut, Darm und Nieren ausgeschieden werden, und das dauert. Die Halbwertszeiten von Solanin und Chaconin liegen deshalb bei 11 und 19 Stunden. Es dauert also Tage, bis die Gifte einer Kartoffelmahlzeit vollständig ausgewaschen sind. Zeit genug für die Gifte, in den Körpergeweben ihren Schaden anzurichten.

Aus diesem Grunde sollten wir den Verzehr von Nachtschatten reduzieren, beispielsweise beschränkt auf zwei Wochentage. Das heißt: Montag und Freitag sind Tomate und Kartoffel erlaubt. In den Tagen dazwischen hat der Körper ausreichend Gelegenheit zu entgiften und sich zu erholen. Auf diesem Wege vermeiden wir die chronisch unterschwellige Vergiftung und dauerhafte Schädigung der Gewebe von Darm oder Gelenken.

 

Weiterlesen:

Nachtschatten, Gemüse und ihre Lektine in der Lebensmittel-Datenbank

Kartoffel – Food Value
Tomate – Food Value
Paprika – Food Value