Calcium ist ein zentraler Mineralstoff deiner Biologie und zusammen mit Eisen und Kupfer gehört Calcium zu den „gefährlichen 3″ – den drei Elementen, deren Mangel uns schnell gefährlich wird, und deren Zuviel sogar lebensbedrohlich werden kann.
Konkret ist Calcium essenziell für deine Knochengesundheit, Muskel- und Nervenfunktion sowie Blutgerinnung. Genauso wichtig ist Calcium aber auch für die Regulation zellulärer Prozesse.
Calcium-Ionen sind hormonelle Botenstoffe, die direkt auf deine Mitochondrien und DNA-Stränge einwirken. Auf diesem Wege kann Calcium oxidativen Stress und Apoptose, den gesteuerten Zelltod, auslösen.
Calcium wird in den Zellen und Körpergeweben daher sehr streng reguliert, und die Calciumwerte werden vor allem innerhalb der Zelle bewusst niedrig gehalten. Und so liegt das Konzentrationsgefälle von Zellinnerem zum Außen bei 1:10.000 und höher.
Weniger ist mehr
Calcium ist das Ruder auf der Brücke und steuert die Funktionen der Zelle. Und damit das Ruder nicht außer Kontrolle gerät, verhindert die Zellmembran mit ihren Kanalblockern und Pumpen das Eindringen von Calcium, oftmals gegen eine übermächtige, äußere Calciumflut.

Aktive Pumpen befördern Ca-Ionen gegen das Konzentrationsgefälle aus der Zelle heraus, um den Calsiumspiegel innerhalb der Zelle zu senken.
Bei zu wenig Calcium sinkt der äußere Calciumdruck auf die Zelle, und bei geöffneten Membrankanälen geht der Einstrom zurück. Als Folge funktioniert die Reizweiterleitung an der Muskelfaser nicht mehr richtig, und wir erleben dies als erhöhte Neigung zu Muskelkrämpfen.
Aber auch ein Zuviel an Calcium bleibt nicht ohne Folgen:
Ein Überschuss zeigt sich zunächst außerhalb der Zelle. Dort lagert sich Calcium als Verkalkung an Gefäßwänden und im Bindegewebe ab. Die Folgen sind Bluthochdruck, Gelenkprobleme, Arteriosklerose und Herzinfarkt.
Ein hoher Calciumdruck außerhalb der Zelle bleibt jedoch nicht lange draußen, denn auch die Zellmembran hat als Barriere ihre Grenzen.
Den Pumpen fällt es zunehmend schwer, Calcium-Ionen aus dem Zellinneren gegen das hohe Konzentrationsgefälle nach draußen zu befördern. Im Gegenzug sickert mehr Calcium durch die Membrankanäle – insbesondere wenn die Kanalblocker durch Toxine ihre Dichtigkeit verlieren oder die Zellmembran Strukturprobleme hat.
Krebs und Calcium
Als Folge hoher Calciumspiegel steigt letztlich auch innerhalb der Zelle der Calciumgehalt.
Die Folgen:
Bei einem nur leicht erhöhten Calciumspiegel im Cytoplasma geraten die Mitochondrien aus dem Takt. Es kommt zu oxidativem Stress innerhalb der Zelle, und die entzündlichen Parameter steigen. Wir entwickeln chronische und Autoimmunkrankheiten.
Bei einem weiteren Anstieg von Calcium innerhalb der Zelle kommt es zum Totalausfall der Mitochondrien, und die Zelle verliert die Fähigkeit zur Sauerstoffatmung.
Gleichzeitig bewirkt Calcium direkt an der DNA eine epigenetische Verschiebung der Genaktivitäten. Das Endergebnis ist die Entartung zur Krebszelle.
Steigt der Calciumgehalt innerhalb dieser Krebszelle weiter, beobachten wir zunehmende Proliferation mit Tumorwachstum und invasiver Metastasenbildung.
Tatsächlich erhöhen Krebszellen sogar ihre Anzahl von Calciumkanälen, um noch mehr Calcium in die Zellen zu schleusen.
Insofern ist es kein Zufall, dass wir Tumorgewebe im Röntgenbild gut erkennen können. Schließlich verfügen Krebszellen mit reichlich Calcium über ein eigenes Kontrastmittel.
Mit neuer Technik und Magnetresonanz wurden in 22 von 23 Tumorgeweben der Prostata massive Calciummengen innerhalb der Zelle nachgewiesen.
Gleichzeitig haben Frauen mit der höchsten Knochendichte die höchste Brustkrebsrate. Und Patienten mit Verkalkung der Koronargefäße (als Indikator für einen gestörten Calciumstoffwechsel) zeigen statistisch die höchsten Raten für „Death-by-all-Causes“.
Calciumtabletten gegen Calciummangel?
Osteoporose ist ein Krankheitsbild erhöhter Knochenbrüchigkeit und geht im klinischen Befund oft einher mit einem Rückgang der Knochendichte. Betroffen sind vor allem Frauen, insbesondere bei altersbedingt sinkenden Östrogenwerten.
Ein zentraler Marker für Knochengesundheit ist der Calciumgehalt, denn deine Knochen enthalten rund 99,9 % deines gesamten Körpercalciums.
Mangelhafte Knochenfestigkeit und -dichte werden in der medizinischen Praxis deshalb oft als Calciummangel diagnostiziert und mit Calciumgaben behandelt.
Und in der Tat zeigt die Calciumgabe messbare Erfolge – nämlich eine sichtbare Zunahme der Knochendichte. Der Grund: Dieses zugesetzte Calcium lagert sich überall ab. In den Blutgefäßen, den Nieren, den Gelenken und natürlich auch in den Knochen.
Leider ist Knochendichte nicht gleich Knochenfestigkeit, und ein Mehr an Calcium in den Knochen macht sie nicht fester.
Deshalb wird die Gabe von Calcium heute mit Vitamin D3 kombiniert, und tatsächlich ist nun auch eine Zunahme der Knochenfestigkeit zu beobachten.
Allerdings zeigen Studien, dass bereits die alleinige Gabe von D3 diesen Effekt auf die Knochenfestigkeit hat. Es braucht gar kein zusätzliches Calcium.
Strontium für mehr Knochenfestigkeit
Ein weiterer Hebel für mehr Knochenfestigkeit ist die Gabe von Strontium, denn Strontium hebelt Calcium im Verhältnis 1:2.000. Das heißt: Ein Teil Strontium fördert den Einbau von 2.000 Teilen Calcium.
Leider hat Strontium seit Tschernobyl einen schlechten Ruf, denn damals wurden große Mengen radioaktives Strontium freigesetzt. Und da viele Menschen an chronischem Strontiummangel leiden, nehmen die Knochen das radioaktive Strontium bereitwillig auf. Radioaktivität ist für unsere Enzyme unsichtbar, und die Knochenzellen können nicht unterscheiden, welches Strontium sie vor sich haben.
Und so sind Produkte und Nahrungsergänzung mit Strontium in der EU bis heute verboten. In Fällen von Osteoporose sind jedoch Strontiumpräparate auf Rezept erhältlich.
Das vergessene Vitamin: K2
Vitamin D kommt nicht allein, denn für die optimale Funktion arbeitet es Hand in Hand mit Vitamin K2. Dabei regelt Vitamin D die Calciumaufnahme im Darm, und K2 sorgt dafür, dass das Calcium an der richtigen Stelle zum Einsatz kommt.
K2 wird oft in Verbindung mit Calcium oder Blutgerinnung genannt. Doch auch in puncto Blutgerinnung darf nicht verkürzt gedacht werden: K2 macht das Blut nicht dicker, sondern sorgt lediglich für eine normale Gerinnungsfunktion.
Gerade für Menschen mit Blutgruppe AB oder 0 und damit geringer Gerinnungsneigung ist K2 eine sinnvolle Ergänzung.
K2 ist vor allem ein Booster für deine Mitochondrien
In Studien wurden therapeutische Dosen ab 300 µg gegeben und damit mehr Zellenergie, Herzleistung und Regeneration beobachtet.
K2 ist ein Baustein der Elektronentransportkette in Mitochondrien. K2 kann geschädigte Mitochondrien regenerieren. K2 senkt das Krebsrisiko.
Von K2/Menachinon gibt es viele Varianten, die sich in der Länge ihrer Molekülketten unterscheiden. Am häufigsten und von Bedeutung sind dabei die Menachinone MK4 und MK7 mit den Kettenlängen 4 und 7.
MK4 findet sich vor allem in tierischen Produkten wie Leber, Käse oder Eigelb und hat in unserem Körper nur eine geringe Halbwertszeit von etwa 3 Stunden.
Dagegen entsteht MK7 durch bakterielle Fermentation und hat eine Halbwertszeit von 3 Tagen.
Da wir über ein eigenes Mikrobiom mit Fermentation verfügen, kann der Darm uns im Idealfall mit den benötigten K2-Mengen versorgen.
Doch leider verfügen nur noch die wenigsten Menschen über ein intaktes Mikrobiom. Denn Antibiotika, Spritzmittel wie Glyphosat oder falsche Ernährung zerstören die natürliche Artenvielfalt und Funktion der Darmflora. Somit sind wir mehr und mehr auf externe K2-Quellen angewiesen.
Wie viel K2 und woher?
Vitamin K2 ist fettlöslich, genauso wie die Vitamine A, E und D. Zahlreiche fettreiche Lebensmittel enthalten daher auch das meiste K2.
Darüber hinaus hat K2 die höchste Bioverfügbarkeit und Aufnahme im Darm, wenn es zu fettreichen Mahlzeiten eingenommen wird.
Das K2 in tierischen Lebensmitteln stammt übrigens nicht von den Tieren selbst, sondern aus mikrobieller Produktion: durch das tierische Mikrobiom, Wiederkäuer-Flora oder Milchfermentation.

Zum Vergleich: der tägliche Mindestbedarf eines Erwachsenen an K2 liegt bei 200 µg.
Zugegeben, K2-reiche Lebensmittel wie Leber sind nicht jedermanns Sache. Auch sind fermentierte Lebensmittel durch ihre hohen Histaminwerte nicht immer empfehlenswert. Zumal Milchprodukte per se nicht für den täglichen Konsum geeignet sind. Und wenn man sich dann die konkreten K2-Gehalte in Lebensmitteln anschaut, braucht es schon erhebliche Mengen, um auf die täglichen 200 µg zu kommen.
Für optimale Effekte wie Regeneration der Mitochondrien, Rückführung neurodegenerativer Erkrankungen sowie Entkalkung von Herz und Blutgefäßen braucht es sogar eine tägliche Mindestdosis von 300 µg.
Insofern ergibt es durchaus Sinn, Vitamin K2 in der Nahrung zu ergänzen. Wobei das K2 in der Form MK7 all-trans vorliegen sollte.
Warnung: synthetisches K1!
Vitamin K1 ist die Vorstufe von K2 und kommt reichlich im Blattgrün von Salat- und Gemüsepflanzen vor. Auch Milch und Butter von Weidekühen enthalten daher gute Mengen an natürlichem K1.
Wird K1 jedoch synthetisch im Labor hergestellt, so entstehen neben dem eigentlichen K1 weitere Stereo-Isomere. Chirale Moleküle, die zwar die gleiche atomare Zusammensetzung, aber eine unterschiedliche räumliche Strukturen haben.

Du hast vielleicht schon einmal von links- und rechtsdrehend gehört? L- und R-Formen von Wirkstoffen? Dabei handelt es sich um genau diese Spiegelbild-Varianten, die sich durch die Lichtbrechung unterscheiden lassen.
Bei der Labor-Synthese von K1 entstehen drei weitere Spiegelbilder des eigentlichen K1. Und genauso wie dein linker Handschuh nicht an deine rechte Hand passt, passen diese K1-Spiegelvarianten nicht in deine Körperchemie und stören die normalen Abläufe.
K1 ist wie K2 stark lipophil und daher vor allem in der Zellmembran anzutreffen. Dort stabilisiert K1 die Struktur und entscheidet als Zöllner mit, wer oder was in die Zelle hinein- oder hinausgelangt.
Wird statt natürlichem K1 die Spiegelvariante eingebaut, hat die Zelle ein Problem. Denn der Austausch mit der Umgebung ist ab sofort gestört.
Bei der Nahrungsergänzung mit K1 ist daher dringend angeraten, auf den natürlichen Ursprung des K1 zu achten. Es sollte sich auf keinen Fall um synthetisches K1 handeln.
Synthetisches K1 ist stets ein sogenanntes „Racemat“ – ein Gemisch der Spiegelvarianten. Im Falle von K1 existieren drei weitere Spiegelbilder. Also enthält synthetisches K1 jeweils 1 Teil „echtes“ K1 und drei Teile spiegelbildliche Stereo-Isomere.
Wenig nachvollziehbar ist daher die medizinische Praxis, Neugeborenen und Säuglingen Tropfen mit hochdosiertem, synthetischem K1 zu verabreichen.
Zum Vergleich: Für Erwachsene liegen die Tagesdosen für K1 bei 100 bis 300 µg. Neugeborene werden dagegen mit 2 mg synthetischem K1 gespritzt – das entspricht 2.000 µg! Und diese Dosis wird dreimal verabreicht: direkt nach der Geburt sowie zu U2 und U3.
Statt 60 µg wie für das Gewicht angebracht, bekommt das Neugeborene also 6.000 µg des K1-Racemats.
Säuglinge werden somit bereits am Lebensanfang mit der hundertfachen Menge und dazu drei Vierteln schädlichem Stereo-Isomer belastet. Die Folgen sind Schäden an Mitochondrien, Zellgesundheit, erhöhtes Krebsrisiko und reduzierte Gehirnleistung.
Doch warum verabreicht man den Kindern überhaupt das K1?
Nach Einnahme von Neuroleptika während der Schwangerschaft und bei Vitamin-K-Mangel der Mutter wurden bei Kindern gehäuft Hirnblutungen beobachtet. Daher bekommen nun alle Kinder nach der Geburt die K1-Tropfen oder eine K1-Spritze.
So ist die Rechtslage. Verstehen muss man das nicht.
Also was tun?
Sprich mit deiner Hebamme, achte auf die Herkunft des K1, oder nimm gleich K2. Denn K1 muss ohnehin zu K2 umgewandelt werden, und natürliches K2 hat auch nicht das Problem der Stereo-Isomere.
Skorbut der Knochen
Bei Osteoporose und Knochenbrüchigkeit geht es also nicht um Calcium oder Calciummangel. Vielmehr ist Osteoporose das Symptom einer Mangelerkrankung – ein Mangel an den Vitaminen D und K, aber vor allem an Vitamin C.

Unsere Knochen sind ein Kommen und Gehen, eine ständige Baustelle. Links wird aufgebaut, rechts wird wieder abgebrochen: Osteoblasten bauen ständig neues Knochengewebe auf. Osteoklasten sind das Abrisskommando, das alte Knochengewebe abbaut und Calcium in den Blutstrom spült.
Befinden sich Auf- und Abbau im Gleichgewicht, ist alles gut. Verlieren wir das Gleichgewicht, kommt es zu Problemen – eines dieser Probleme heißt Osteoporose.
In der Osteoporose-Therapie setzt man deshalb vermehrt auf Wirkstoffe, die Osteoklasten und den Knochenabbau hemmen. Dies führt anfangs zwar zu einer messbar erhöhten Knochendichte. Allerdings wird nun kein altes Gewebe mehr durch neues ersetzt, und die Knochen werden morsch und brüchig.
Mein Vorschlag wäre deshalb die Optimierung der Osteoblasten:
Als Baumeister bilden Osteoblasten die Knochenstrukturen, verknüpfen die Collagen-Stränge und sorgen für die Festigung mit Calcium. Und für jeden Collagen-Knoten brauchen Osteoblasten jeweils ein Molekül Ascorbinsäure/Vitamin C.
Vitamin C ist der entscheidende und limitierende Faktor für die Funktion der Osteoblasten. Vitamin-C-Mangel verhindert den Knochenaufbau. Durch Vitamin-C-Mangel geht das Gleichgewicht innerhalb der Knochen verloren, denn die Osteoklasten knabbern weiter Tag für Tag an der Knochensubstanz.
Vitamin-C zur Rettung
Osteoporose ist kein Calciummangel, sondern Skorbut der Knochen – ein Mangel an Vitamin C.
Das mag im Einzelfall verwundern, ernähren wir uns doch recht ausgewogen mit Obst und Gemüse, und die enthalten ja alle Vitamin C.
Auch wird in der Lebensmittelindustrie heutzutage Ascorbat, das Salz der Ascorbinsäure, als Konservierungsstoff zugesetzt. Und trotzdem sind in unseren Breiten Zustände von Skorbut zu beobachten?
Der Grund sind die immer noch zu geringen Tagesmengen an Vitamin C.
Wie viel Vitamin-C wäre sinnvoll?
Fast alle Säugetiere können Vitamin C in der Leber selbst herstellen. Der Mensch ist da eine Ausnahme. Er hat zwar das Gen, aber es funktioniert nicht – es ist inaktiv.
Also können wir unseren Bedarf an Vitamin C nur über die Nahrung decken. Zwar bildet auch unser Darmmikrobiom geringe Mengen Vitamin C, doch sind diese Mengen bei weitem nicht ausreichend.
Doch was ist die optimale Menge? Wie hoch wäre unsere natürliche Tagesproduktion an Vitamin C, wenn wir unseren Gendefekt nicht hätten?
Aufklärung bringt hier der Vergleich mit verwandten Säugetieren, denn deren tägliche Vitamin-C-Produktion liegt bei rund 60 mg/kg Körpergewicht. Übertragen auf einen Menschen von 70 kg entspräche das einer Vitamin-C-Eigenproduktion von 4.200 mg. Wow!
Zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einem männlichen Erwachsenen von 25 bis 51 Jahren eine Vitamin-C-Tagesdosis von 110 mg. Unterversorgung und Vitamin-C-Mangel sind demnach vorprogrammiert.
Calcium in Lebensmitteln
Mehr Calcium ist nicht nur nicht notwendig für gesunde Knochen. Vielmehr ist ein Zuviel an Calcium Ursache und Auslöser für Herzerkrankungen, chronische Entzündungen und Krebs.
Wichtig ist es deshalb, die Balance zu finden, und dies bedeutet vor allem, die Nahrungsergänzung mit Calcium zu meiden und Milchprodukte zu reduzieren. Denn:
Der tägliche Calciumbedarf für einen Erwachsenen beträgt rund 500 mg. Die Calciumgehalte in Tabletten und Milchprodukten bedeuten für den Körper deshalb eine gefährliche Überdosierung.
Vor allem Osteoporose-Erkrankte sind hier gleich mehrfach gefährdet.
Zum einen werden ihre Körpergewebe durch aus den Knochen abgebautes Calcium gesättigt. Zusätzlich erhalten sie Apothekenrezepte für noch mehr Calcium. Und vermutlich folgen sie auch noch den Ernährungsempfehlungen und konsumieren mehr Calciumquellen und Milchprodukte.
Dabei enthalten viele Lebensmittel bereits ausreichend Calcium, um den täglichen Bedarf zu decken. Einzig in der Schwangerschaft und Stillzeit besteht ein erhöhter Calciumbedarf, und das ist auch der Grund, warum Muttermilch reichlich Calcium enthält.
Alles andere an Mehr ist riskant und wenig empfehlenswert.

Bei der Aufnahme von Calcium aus der Nahrung spielt die Bioverfügbarkeit eine große Rolle, denn oftmals ist Calcium durch Phytate oder Oxalate der Pflanze gebunden. Darum ist hier die Zubereitung besonders wichtig.
So empfiehlt es sich Bohnen und Saaten wie Getreide, Sesam oder Mandeln über Nacht in Wasser mit Zitrone einzuweichen. Durch Säuerung und Ankeimung werden die Antinährstoffe gelöst und abgebaut.
Ungesäuerte Brote, Teigwaren und Müsli fallen aufgrund der Phytate ebenfalls als Calciumquellen aus, auch wenn ihr messbarer Calciumgehalt sogar recht hoch sein kann. Infolgedessen sind dann sogar die Milch im Müsli und der Käse auf dem Brot als Calciumquelle eher ungeeignet.
Welche Calcium-Quellen für dich?
Allerdings sollte der Calciumgehalt alleine nicht ausschlaggebend sein. Denn was nützen calciumreiche Lebensmittel, wenn sie in der Summe deiner Darm- oder Zellgesundheit schaden?
Entscheidend ist neben der Bioverfügbarkeit nämlich auch die Verträglichkeit von Lebensmitteln mit deinem biologischen Typ, deiner individuellen Konstitution von Magen, Leber und Darm. Genau diese Faktoren sind die Grundlagen von Typernährung und Foodfibel.
Zellschutz gegen Calcium
Wenn wir Calciumschäden verhindern wollen, müssen wir die Calciumkontrolle verbessern.
Hierzu gehen wir der Zellmembran direkt zur Hand und helfen ihr, das Calcium aus der Zelle herauszuhalten. Dies erreichen wir zum einen durch die Stabilisierung der Zellmembran mittels gesunder Phospholipide und Cholesterin aus Lebensmitteln wie Butter oder Eiern.
Gleichzeitig sollten wir alles vermeiden, was die Zellmembran in ihrer Struktur stört.
Dies sind die elektrischen Disruptoren von EMF wie Wlan und Handy. Die Alltagsgifte von Alkohol bis geschwärztem Grillgut. Aber auch von Giften wie Arsen, Methylquecksilber und Formaldehyd aus Spanplatten ist bekannt, dass sie den Calciumeinstrom in die Zelle verstärken.
Calcium macht vor allem Probleme, wenn der natürliche Antagonist und Gegenspieler fehlt, und der heißt Magnesium. Meine Empfehlung wäre deshalb Magnesiumcitrat als Nahrungsergänzung, über den Tag verteilt in allen Gerichten und Getränken.
In einem weiteren Schritt können wir die Calciumkanäle abdichten. Insbesondere Magnesium und Vitamin D wirken hier als natürliche Kanalblocker.
Top 10 gegen Calciummangel
Osteoporose, aber auch klinische Röntgenbefunde von Gewebeverkalkung sind deutliche Hinweise auf einen gestörten Calciumstoffwechsel.
Zum Glück ist unsere Biologie sehr anpassungsfähig, und so ist auch dieser Zustand reversibel – Verkalkungen lassen sich entsprechend wieder auflösen.
Anleitung und 10-Punkte-Programm zur Normalisierung der Calciumfunktion und Entkalkung der Körpergewebe:
- Magnesium: Calcium-Kanalblocker, löst Verkalkungen.
- Vitamin C: Redox-Normalisierung, unterstützt Calcium-Kanalblocker, Collagenaufbau.
- Vitamin D3: reguliert 2.000 Gene, darunter Kalklöser und Kanalblocker.
- Vitamin K2 MK7: aktiviert Proteine, die Verkalkung verhindern.
- Omega-3-Fettsäuren: natürliche Calcium-Kanalblocker, Membranstabilisierung.
- Regulatorische Hormone: Östrogen hemmt Proteine der Verkalkung, senkt entzündliche Zytokine. Testosteron als Calcium-Kanalblocker.
- Schilddrüsenhormone + TSH. Strontium: hebelt mehr Calcium in die Knochen.
- Meide Toxine akuter und chronischer Entzündungen aus Wurzelkanal, Kiefer, Mandeln, Darm.
- Meide Verdauungsgifte: siehe ABC gesund Essen und Trinken.
- Sonnenbad: Lichttherapie mit UVB für Vitamin D.
Welche Nahrungsergänzung ist wichtig und sinnvoll?
Am Beispiel von Calcium zeigt sich exemplarisch, wie schwierig und problematisch Nahrungsergänzung sein kann. Und gerade für Neueinsteiger ist es besonders schwer zu entscheiden: Was ist sinnvoll? Was ist Werbung? Und was ist sogar schädlich?
Dabei ist bei Nahrungsergänzung prinzipiell in zwei Gruppen zu unterscheiden:
- Betriebsstoffe sind die Basis. Deren Mangel bremst das gesamte System. Hast du nur 60 % verfügbar, fährt dein System mit nur 60 % Leistung. Diese Mikronährstoffe brauchst du täglich.
- Stimuli dagegen stoßen förderliche Prozesse an – ähnlich einer Kur. Sie zielen auf spezifische Bereiche wie Leberfunktion, Training oder Zellregeneration.
So hat die Genetik mittlerweile bewiesen: Krankheit und beschleunigte Alterung sind eben NICHT die Gene. Es ist der Mangel an essenziellen Mikronährstoffen, der uns anfällig macht, krank werden lässt und gesunde Lebensjahre kostet.
Der Mangel stört unsere Epigenetik. Fehlende Kofaktoren hemmen die Aktivität unserer Enzyme. Ausgezehrte Immunzellen sind zu schwach für die Abwehr infektiöser Keime.
Das Beispiel von Calcium zeigt aber auch die Kehrseite: Die falschen Mikronährstoffe in falscher Menge führen ebenfalls zu Störungen und Krankheiten.
Die Skepsis ist berechtigt
Die Skepsis gegenüber Nahrungsergänzung ist nachvollziehbar, insbesondere bei Präparaten aus Supermarkt oder Apotheke. Diese sind aufgrund der Wirkstoffe, Füllstoffe und Zusammensetzung oft überteuert und nicht selten wirkungslos.
Denn Drogeriemärkte und Apotheken verkaufen nicht die besten Produkte – vielmehr werden sie vom Hersteller für die sogenannte „Listung“ bezahlt. Und die Höhe dieses Listungspreises entscheidet darüber, ob das Produkt auf Augen- oder Kniehöhe im Regal zu finden ist.
Im Gegenzug war es aber noch nie so einfach und preiswert, essenzielle, innovative, hochreine und bioidentische Mikronährstoffe im Online-Handel zu erwerben.
Die hohe Zahl informierter User, Selbstoptimierer und Biohacker sorgt mittlerweile dafür, dass schwarze Schafe auf dem Online-Markt wie auch bei Amazon auf Dauer wenig Chancen haben.
Daher lautet das eigentliche Problem:
Wer legt fest, was und wie viel du brauchst?
Während sich die Informiertheit bei Verbrauchern verbessert, sorgen Interessenverbände für die Verbreitung von Guidelines, die eher wirtschaftlichen Zwecken denn der Gesundheit dienen.
So ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) federführend, wenn es um die Vorgaben für Ernährung, Nahrungsergänzung, Bedarf und Dosierung geht.
Die DGE ist jedoch weder ein wissenschaftliches Institut noch freie Universität, sondern ein privater Verein mit engen Verbindungen zu Industrie, Agrar und Pharma.
Prof. Dr. Stefan Lorkowski, Mitglied des wissenschaftlichen Präsidiums, ist zugleich Berater für Pharmafirmen wie AMGEN, Novartis und Berlin-Chemie sowie den Lebensmittelkonzern Danone.
Prof. Dr. Anette Buyken, Vizepräsidentin, ist Mitglied der ILSI Europe Carbohydrate Task Force, einer industrie-finanzierten Lobby-Organisation von Nestlé und Coca-Cola.
Laut Foodwatch verzerren diese Interessenkonflikte die Empfehlungen der DGE von nachhaltiger Gesundheit zugunsten wirtschaftlicher Interessen.
Seit DGE-Gründung im Jahr 1953 stammen alle Mitglieder des Wissenschaftlichen Präsidiums durchgängig aus der akademischen Schulmedizin ohne jegliche Vertretung aus Alternativmedizin, Naturheilkunde oder komplementären Therapien.
Die Konsequenzen für deine Gesundheit
Das Problem: Für Mediziner, Therapeuten, Ernährungsberater, Altenheime und Krankenhäuser sind die Empfehlungen der DGE verbindlich.
In Deutschland definiert die DGE, wie viel Vitamin C und D die Menschen erhalten. Die DGE bestimmt auf diesem Wege die Anzahl der Patienten in Praxen und Krankenhäusern. Die Anzahl der Rezepte und Medikamente.
Vor diesem Hintergrund haben auch mich immer wieder die gleichen Fragen erreicht: Ist dieses Präparat sinnvoll? Welches ist besser? Wann und wie viel einnehmen? Was hat Priorität?
Diese Anfragen haben mich bewogen, dem Bereich Nahrungsergänzung in der Foodfibel-App im Update 2025 mehr Raum zu geben und zu priorisieren:
Was ist ein „Must-have“? Und wie viel davon? – nicht nur aufgrund seiner zentralen Bedeutung, sondern auch weil wir durch Ernährung allein niemals auf die notwendigen Mengen kommen. Egal wie gut wir essen und leben.
Grundlage für meine Empfehlungen sind dabei die natürlichen, biologischen Referenzwerte:
- Wie viel Vitamin D haben Naturvölker in äquatorialen Regionen?
- Wie viel Vitamin C produzieren andere Säugetiere in ihrer Leber? – eine Fähigkeit, die der Mensch verloren hat.
- Bei welchen Dosierungen von Zink, Selen oder K2 zeigen Studien die besten Ergebnisse?
- Welche B12-Form wird am besten verstoffwechselt?
- Welche Zubereitung hat die höchste Bioverfügbarkeit?
- Was wirkt oral, was sublingual, was transdermal über die Haut?
Diese Fragen führen zu ganz anderen Antworten als die DGE-Empfehlungen – und zu Dosierungen, die sich an der Natur und Zellbiologie orientieren.

Die Kategorien Priorität 1 und 2 mit jeweils vier Mikronährstoffen sind die Basis. Erst wenn diese erfüllt ist, kann man über andere Wirkstoffe und Mittelchen reden.
Nach der Pflicht kommt die Kür: Kurprogramme setzen bei Krankheit oder Vorsorge gezielte Stimuli für spezifische Ziele wie Zellenergie, Training, Lebersupport, Darmgesundheit oder Longevity.
Die Grundlage bleibt jedoch immer eine ausgewogene und typgerechte Ernährung – sie setzt das Fundament, auf dem Nahrungsergänzung optimal wirken kann.
Weiterlesen:
Quellen:
Dr. Tom Levy: Death by Calcium [Pdf]
Harvard Health: How much calcium do you really need?
Pubmed: Bone mineral density and risk of breast cancer
Vitamin K2 is a mitochondrial electron carrier that rescues pink1 deficiency
Pubmed: Increase in Serum Ca2+/Mg2+ Ratio Promotes Proliferation of Prostate Cancer Cells
Effect of calcium supplements on risk of myocardial infarction and cardiovascular events
Pubmed: The Roles and Mechanisms of Actions of Vitamin C in Bone

Autor: Dipl. Biol. Frank Lewecke
Frank Lewecke ist Diplom-Biologe, Gründer und Autor von Foodfibel.de.
Nach Biologie-Studium an der Universität Bayreuth und als Doktorand an der Uniklinik Erlangen-Nürnberg verhelfe ich Menschen heute als freier Autor und Berater für Ernährung und Gesundheit zu mehr Lebensfreude.
In der Foodfibel-App verbinde ich funktional-medizinische Grundlagen mit innovativen Konzepten aus Forschung und Naturheilkunde. Im Fokus steht dabei der gezielte Einsatz von typgerechter Ernährung und biologischen Erkenntnissen im Alltag.
Vita – Geboren 1966 in Gütersloh. 1986 Biologie-Studium an der Universität Bayreuth. 1989 Vordiplom in Biologie und Physiologie. 1993 Biologie-Diplom in Genetik, Mikrobiologie, chemischer Ökologie und Toxikologie. 1994 Doktorand im DFG Graduiertenkolleg an der medizinischen Klinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 1995 Freiberuf, Publikationen, Fortbildungen, Ayurveda. 2016 Gründung der Foodfibel. 2018 Entwickler der Foodfibel App.
Im Radio Live-Talk:
Aktualisiert am